Kommentar: Banf, Grotepaß und Otter gehen „ohne Groll“ – und stellen die Weichen für einen Neubeginn

Dem „großen Knall“ der vergangenen Woche folgte am gestrigen Dienstagabend ein noch größerer: Auch Patrick Banf, Jochen Grotepaß und Bruno Otter sind aus Aufsichtsrat des „e.V.“ sowie dem Beirat der „Management GmbH“ des 1. FC Kaiserslautern zurückgetreten. Somit hängt es nun allein am erst kürzlich nachgerückten Mitglied Fritz Fuchs, ob es bei der nächsten Jahreshauptversammlung nun zu kompletten Neuwahlen oder lediglich zu Nachwahlen kommt. „Verschärft“ sich damit die „tiefste Krise in der FCK-Geschichte“, wie es mancherorts heißt? Nun, viel verschärfen kann sich da nichts mehr. Die Demissionen öffnen vielmehr die Tür zum Weg hinaus aus der Krise – und das unnötig spät.

Glücklicher Weise sehen die ausscheidenden Funktionäre ihren Schritt ebenso vorwärtsgerichtet: „Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass wir mit einem von der Mitgliederversammlung demokratisch neu legitimierten Aufsichtsrat, der für einen Aufbruch stehen sollte, nach vorne gewandt die wichtigen Zukunftsfragen des FCK gemeinsam und in einer konstruktiven Art und Weise gelöst bekommen“, wird Patrick Banf, zuletzt Beiratsvorsitzender, in der aktuellen Presseerklärung des FCK zitiert. Man „schmeiße nicht hin“, sondern gehe „ohne Groll“. Schön gesagt.

Allerdings: Die Führungsmannschaft „demokratisch neu zu legitimieren“, ist schon seit Mai 2019 angezeigt, seit es bei den Verhandlungen mit dem als „Ankerinvestor“ vorgesehenen Unternehmer Flavio Becca zu dem unseligen „Letter of Intent“ kam, in dem der Einstieg Beccas mit dem Rücktritt des demokratisch legitimierten Aufsichtsratsmitglieds Michael Littig verknüpft worden war. Seither präsentiert sich der Verein zutiefst gespalten.

Der Ehrenrat des „e.V“ empfahl ja auch eine Außerordentliche Mitgliederversammlung zu einer Klärung des Sachverhalts, die in diesem Rahmen zu demokratisch legitimierten Konsequenzen hätte führen können. Die Vereinsführung erdachte jedoch lieber einen halbgaren Kompromiss namens „Mitgliederforum“, das keinerlei Wirkung zu zeitigen vermochte, sondern lediglich nachhaltig dokumentierte, wie tief die Gräben sind.

KEINE FRAGE: ALLE WOLLTEN NUR DAS BESTE

„Trotz der Übernahme erheblicher Altlasten aus der Vergangenheit ist es dem Management und den Mitgliedern der Gremien in den letzten beiden Jahren gelungen, die jeweiligen Lizenzen zu erhalten, die Fananleihe – trotz Abstiegs in die 3. Liga – zu bedienen und insbesondere durch die Ausgliederung mit einer Zustimmung der Mitglieder von über 92% die Weichen für eine wettbewerbsfähige sportliche und wirtschaftliche Zukunft zu stellen.“  Das ist ohne Frage korrekt und  soll an dieser Stelle ausdrücklich festgehalten werden: Die scheidenden Funktionäre haben sich mit hohem – ehrenamtlichen – Engagement für den FCK eingesetzt und wollten mit Sicherheit nur das Beste für ihren Verein.

Aber: „Im sportlichen Bereich haben leider die getroffenen Entscheidungen und Maßnahmen bis heute nicht gegriffen, so dass die Enttäuschung der Mitglieder und Fans den zurücktretenden Aufsichtsräten gegenüber teilweise verständlich und nachvollziehbar ist“, wird Banf weiter zitiert.

SPORTLICHER ERFOLG HÄTTE DEN EKLAT WOHL VERGESSEN GEMACHT

Mit Verlaub: Hier meint er es ein wenig zu gut mit sich und seinen Mitstreitern. Sicher kann man sagen: Wäre der FCK sportlich erfolgreich in die Saison 2019/20 gestartet, hätte das Umfeld den Becca-Littig-Eklat wohl schnell vergessen, so tickt das Fanvolk nun mal. Doch war das Glück sowohl Mannschaft und Trainer als auch den Funktionären nicht hold.

Insbesondere Banf ist nicht nur vorzuhalten, dass er nach wie vor von dem von ihm installierten Sport-Geschäftsführer Martin Bader überzeugt ist, dessen Personalentscheidungen seinen letzten Befürwortern zufolge bislang lediglich „noch nicht“ gegriffen haben. Da waren auch seine wenig überzeugenden öffentlichen Auftritte bei SWR 4-Sendung „Klartext“ und bei besagtem „Mitgliederforum“.

Ebenso wenig vermochte Banf die frostige Beziehung zwischen der FCK-Führung und Hauptsponsor Harald Layenberger aufzuklären. Zudem steht das Bild, das das bereits zurückgetretene Aufsichtsratsmitglied Jürgen Kind von seinem Führungsstil zeichnete, weiterhin unkommentiert im Raum.

In Erinnerung geblieben sind von Banf aber auch Sätze wie „„Flavio sagt – es muss so sein oder ihr lasst es einfach sein“, mit dem er am 5. Mai in der „Rheinpfalz“ zitiert wurde. Ein Ausspruch, der FCK-Freunden nicht gerade Mut macht, dass ihr Verein nach der Installation dieses Investors, der bislang lediglich ein Bürge ist, noch ein wenigstens einigermaßen selbstbestimmtes Leben führen könnte.

NICHT NUR FUNKTIONÄRE, AUCH IHRE KRITIKER WURDEN DIFFAMIERT

Bruno Otter, der seit Mai im Amt war, ergänzt: „Wir haben aber gelernt, dass wir allein auf Grund unserer Funktion zur Projektion einer großen Unzufriedenheit bei unseren Mitgliedern werden, die sich teilweise in persönlich diffamierenden Kommentaren und Angriffen gegen uns niederschlägt.“ Auch da hat er recht. Insbesondere im Internet existieren bei Diskussionen, die sachlich geführt werden sollten, keine Schamgrenzen mehr. Die Erfahrung ist aber nicht neu und musste auch von denen gemacht werden, die sich in den vergangenen Wochen gegen die scheidende FCK-Führung stellten.

FUCHS ENTSCHEIDET NUN ÜBER NEU- ODER NACHWAHL

Jetzt liegt es also an dem einzig noch verbliebenen Aufsichts- und Beiratsmitglied Fritz Fuchs, ob es nun zu einer kompletten Neuwahl der Gremien kommt oder lediglich zu Nachwahlen – dann nämlich, wenn er selbst nicht zurücktritt. Er will sich dazu am heutigen Mittwoch mit seinem Anwalt beraten, meldete „Der Betze brennt“ am gestrigen Mittwochabend. Es wäre wirklich erstaunlich, wenn nicht auch Fuchs den Weg zu einem kompletten Neuanfang freimachte.

Der würde dann auf der nächsten Jahreshauptversammlung in die Wege geleitet, die nun nicht mehr wie geplant am 20. Oktober über die Bühne gehen kann. Allein die Bewerbungsfrist für neue Aufsichtsratskandidaten beträgt drei Wochen. Bis dahin bleiben die zurückgetretenen Funktionäre kommissarisch im Amt. Dass sie diese Zeit nutzen könnten, um Entscheidungen zu treffen, die ihre Nachfolger nicht mehr rückgängig machen könnten – etwa, was das Engagement Beccas angeht –, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt reine Spekulation.

NUN IST DIE MERK-GRUPPE AM ZUG – BECCA WILL ABWARTEN

Auf jeden Fall kandidieren wollen Dr. Markus Merk, Rainer Kessler, Martin Wagner und Martin Weimer, falls möglich wohl als geschlossenes Team, wenngleich  „Listenwahlen“ bei den Kür von Aufsichtsräten nicht vorgesehen sind. Die Gruppe will sich am Freitag, 11. Oktober, das nächste Mal treffen. Möglicherweise gibt’s danach neue Informationen, wie sie in entscheidenden Fragen positionieren möchte, etwa zu Becca oder zur Neu-Besetzung des Sport-Geschäftsführerpostens.

Der Luxemburger indes will erst die weitere Entwicklung abwarten und seine neuen Ansprechpartner kennenlernen, ehe er über Investitionen beim FCK entscheidet. Bislang zeichnet er lediglich für eine Bürgschaft in Höhe von rund drei Millionen Euro verantwortlich. Diese sollten eigentlich in Eigenkapital umgewandelt werden. Die entsprechende Verträge sind ausgearbeitet, aber noch nicht unterschreiben.

Text: Eric Scherer / Foto: Christian-Kaspar Bartke/Getty Images