Die xG-Grafiken vom Jena-Spiel: Die Produktivität in Hälfte zwei überzeugt, die „Set Pieces“ bleiben ein Trauerspiel 

Der letzte Nachtrag zum 3:1-Sieg des 1. FC Kaiserslautern gegen den FC Carl Zeiss Jena fehlt noch: die Grafiken von „11tegen11“, die wir wegen unseres Kommentars zu den aktuellen Entwicklungen am Mittwoch verschieben mussten. Mehr oder weniger milde belächelt von den altvorderen Fußballfreunden, für die nach wie vor das „über den Kampf zum Spiel finden“ die einzige gültige Weisheit darstellt, freudig erwartet von unserer teuflischen Nerd-Community. Wie immer gilt: Niemand wird gezwungen, das anzuklicken.

Die Timeline bietet einmal mehr ein auf den ersten Blick verblüffendes Bild, das sich schnell relativiert, wenn man den Sprung betrachtet, den allein der Elfmeter zum 0:1 bewirkte. Sander Ijtsma bewertet allein diesen mit etwa 0.8 Punkten, also einer Trefferwahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent. Zieht man die ab, stellt sich das Endergebnis von 1.41:1.16 zugunsten des FCC doch ein wenig anders dar. Dann hat sich’s auch mit der Siegeswahrscheinlichkeit von 43 Prozent zugunsten der Blaugelben.

2019-10-05 1437444 xG plot Kaiserslautern 3 - 1 FC Carl Zeiss Jena.png

Dagegen visualisiert die „expected Goals“ (xG)-Timeline exzellent, wie sich die Lautrer Produktivität in Hälfte zwei erhöhte. Vor der Pause sorgten lediglich Picks Doppelchance unmittelbar nach dem Rückstand und Hemlein beherzte Direktabnahme zum 1:1 für Ausschläge, danach jedoch erarbeitete sich der FCK einige vielversprechende Einschusspositionen, ehe Florian Pick in der 69. Minute die Weichen auf Sieg stellte. Zuvor hatte sich etwa Skarlatidis aus kurzer Distanz eine Chance geboten, doch überraschte ihn wohl, dass Starkes feine Linksflanke ihn überhaupt erreichte.

Aber: Auch Jena hatte unmittelbar nach der Pause nochmal zwei Gelegenheiten, erneut in Führung zu gehen.

Der „Pitchplot“ zeigt: Im Angriffsdrittel war der FCK doch um einiges präsenter als der FCC. Allerdings: Wieder mal nur ein xG-Wert beim 0.19 nach „Set Pieces“, also ruhenden Bällen – die bleiben ein Trauerspiel des FCK, und das schon seit einer gefühlten Ewigkeit.

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17:11 für Lautern lautet das Ergebnis bei der banalen Gegenüberstellung der Torschüsse, das ist ausnahmsweise mal aussagekräftiger als das Endergebnis der xG-Timeline. Aber nur wegen des Elfmeters.

Die Positions- und Passgrafik dokumentiert: Das von Schommers geforderte „Bespielen“ des Gegners schlägt sich in wesentlich mehr Abspielen im Defensivblock nieder. Doch auch vorne wird mehr Zusammenspiel. Es sind sogar mal Passlinien verzeichnet, die von Hemlein wegführen, sehr schön.

2019-10-05 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena.png

Dass Starke den fettesten Spot bildet, der ihn als den Mann mit den meisten Ballkontakten ausweist, erstaunt nicht. Ebenso wenig, dass Pick derjenige ist, der an den meisten Entwicklungen von „expected Goals“ (xG’s) beteiligt war. 

Was die statische Grafik freilich nicht wiedergeben kann, ist Picks Positionswechsel in der zweiten Halbzeit. FCK-Trainer Boris Schommers zog die Offensivkraft mit dem  größten Selbstvertrauen im gegenwärtigen Team in die Mitte, wohl, um ihm mehr Ballkontakte zu ermöglichen. Ein ebenso kluger Schachzug wie die Einwechslung Fechners als Innenverteidiger.

Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik Jenas. Insgesamt weniger Ballbesitz, aber durchaus lebendiges Zusammenspiel zwischen den Offensivkräften. Dagegen spielt sich der Defensivverband kaum einander den Ball zu.

2019-10-05 FC Carl Zeiss Jena Passing plot Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena.png

Die Visualisierung der „Zone 14“-Aktivitäten überrascht wiederum. Nach dieser nämlich war FCC im Zehnerraum aktiver. Da will sicher auch Boris Schommers perspektivisch noch mehr von seiner Mannschaft sehen.

2019-10-05 Zone 14 plot Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena.png

Und zu guter Letzt ein Blick in die Halbräume. Er dokumentiert abermals die Linkslastigkeit des FCK-Spiels, die auch in der Positions- und Passgrafik zu erkennen ist und die auch schon in den Spielen unter Coach Sascha Hildmann wiederholt auszumachen war. Die Ursache dafür lässt sich am besten in einem Four-Letter-Word zusammenfassen: Pick.

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Text: Eric Scherer / Grafiken: 11tegen11

 Foto Taktiktafel: Katrin Wuertemberger/Bongarts/Getty Images