Der „Premium-Kader“ kommt als 15ter – Doch die Zebras wollen partout nur Underdog sein

Der 1. FC Kaiserslautern gastiert am morgigen Freitag, 19 Uhr, beim MSV Duisburg. Der Tabellen-15. fährt zum Vierten, dem Zweitliga-Absteiger, der den direkten Wiederaufstieg anstrebt. Und dennoch ist der FCK nach Ansicht von MSV-Trainer Torsten Lieberknecht Favorit, unter anderem wegen seines „Premium-Kaders“… Der Marotte, die Pfälzer aufs Schild zu heben, um dem eigenen Team die dankbare Underdog-Rolle zuzueignen, bleiben die gegnerischen Übungsleiter auch im zweiten Jahr der Lautrer Drittligazugehörigkeit treu – so sehr die Tabelle dieser Einschätzung auch widerspricht. Da hilft es vermutlich nicht einmal, dass Nachwuchsreporter Silvan FCK-Trainer Boris Schommers bei der PK zum Spiel die Gelegenheit gab, diesen Sachverhalt mal klarzustellen.

„Wenn man sich die Spiele der vorangegangenen Saison anschaut, hat Kaiserslautern in den Spielen mit der Favoritenrolle immer verloren – wie können Sie diese Schwachstelle beheben?“, stellte der talentierte Medienvertreter Lautern-Coach Boris Schommers die nach Ansicht verschiedener Beobachter intelligenteste Frage der Veranstaltung. 

„Seitdem ich hier bin, waren wir doch noch nie in einer Favoritenrolle“, verwahrte sich der Trainer dagegen, die Spiele vor seiner Amtszeit zu analysieren. „Wir arbeiten aber daran, irgendwann mal wieder als Favorit in ein Spiel gehen zu können.“ Und dann wolle man erfolgreicher agieren als in der Vergangenheit. Im Moment jedenfalls sei man nirgendwo Favorit, in Duisburg erst recht nicht.

„AKZENZE SETZEN UND MEHR DRUCK AUSÜBEN“

 In der nunmehr ablaufenden Länderspielpause hat Schommers an weiteren Schritten auf dem Weg dorthin gearbeitet, etwa das frühe Anlaufen geübt, weil sein Team perspektivisch „mehr Akzente“ setzen und auch „in der vordersten Reihe mehr Druck auf den Gegner ausüben“ soll. Personell steht ihm dafür fürs Duisburg-Spiel ein nahezu kompletter Kader zur Verfügung.

Fraglich ist noch Timmy Thiele, der nach seinem Nasenbeinbruch zwar weiterhin mit Maske auflaufen könnte, am Mittwoch aber nach einem Schlag auf den Oberschenkel mit dem Training aussetzte. Stürmer Andri Runar Bjanarson ist nach einer einwöchigen Erkältung wieder hergestellt, ob’s für einen Kaderplatz reicht, müsse aber noch entschieden werden, so Schommers. Die zuletzt verletzten Carlo Sickinger und Philipp Hercher stehen demnach wieder zur Verfügung.

MSV OHNE FÜNF – UND MIT DREI NIEDERLAGEN IM KREUZ

Dass MSV-Coach Torsten Lieberknecht den Gast tatsächlich als Favorit ansieht, der „viel investiert hat“ und einen „Premium-Kader“ habe, liegt zum einen wohl daran, dass ihm fünf Akteure ausfallen. Vor allem die Muskelverletzung Marvin Comppers wiegt schwer, der 34-Jährige war bislang in allen Partien als Innenverteidiger gesetzt. Außer ihm fehlen dem MSV Connor Krempicki, Basti Neumann, Cem Sabanci und Yassin Ben Balla.

Zudem lief es bei den Zebras zuletzt nicht mehr rund: Gegen den SV Meppen und den Chemnitzer FC hagelte es in der Liga gleich zwei 1:3-Heimniederlagen hintereinander und vergangenen Samstag schieden sie sogar im Verbandspokal gegen den Oberligisten Velbert (0:2) aus. Der Druck, wieder in die Spur zu kommen, lastet also gewaltig auf dem Lieberknecht-Team.

Übrigens: Seit 2016 ist kein Zweitliga-Absteiger mehr direkt wiederaufgestiegen. Auch im Moment liegt keiner der drei Kandidaten auf einem Aufstiegsrang. Auch wenn  Duisburg, vor allem aber auch Ingolstadt recht vielversprechend gestartet waren.

TROTZ UNDERDOG-ROLLE: LIEBERKNECHT WILL OFFENSIV SPIELEN

Ebenfalls interessant: Duisburg hat genauso viele Spiele verloren wie der FCK, nämlich vier, steht aber mit sechs Punkten mehr auf dem Tableau. Was zeigt: Unentschieden sind eben keine Teil-„Erfolge“, wenn es darum geht, oben anzugreifen. Nur Siege zählen, und von denen hat der MSV drei mehr verbucht.

Immerhin: Trotz seiner selbst auferlegten Underdog-Rolle verspricht Lieberknecht, „dass wir keinen Deut von unserem Plan abrücken und auch weiterhin versuchen werden, unseren Offensivfußball zu spielen.“ Und dafür steht ihm durchaus qualifiziertes Personal zur Verfügung. Das vielbeachtete „Zehner“-Talent Lukas Daschner etwa, und natürlich Routinier Moritz Stoppelkamp, der mit neun Treffer und vier Assists gegenwärtig die Scorer-Liste der Liga anführt.

WECHSELSPIELE KÖNNTEN METHODE WERDEN

Der 32-Jährige ist kein reiner Linksaußen, sondern rochiert fleißig auf den Offensivpositionen, taucht auch rechts oder zentral auf. Ein ähnliches Rotationsspiel in vorderster Front könnte auch Boris Schommers anstreben. Die Position des „fallenden Stürmers“ in seiner 4-4-2/4-2-3-1-Grundformation ließ er neben Simon Skarlatidis zuletzt auch mal von Florian Pick – eine Halbzeit gegen Jena – und, im Testspiel gegen Dudelange (4:0), von Christoph Hemlein ausfüllen. Ein solches  Wechselspiel könnte gegebenenfalls auch während einer Partie zur Methode werden.

WER KOMMT FÜR BACHMANN? SICKINGER ODER HAINAULT?

Drängender ist aber die Frage, wer den gelbgesperrten Janik Bachmann auf der Sechs ersetzt. Der Trainer lässt sich da erwartungsgemäß nicht in die Karten schauen.  Bis vor kurzem wäre wohl Gino Fechner erster Kandidat als defensiver Mittelfeldspieler gewesen, der aber hat sich zuletzt gegen Jena als spielstarker Innenverteidiger bewährt und könnte die Rolle durchaus beibehalten. Gegen Dudelange testete Schommers André Hainault auf der Sechs, und das nach eigenem Bekunden zufriedenstellend.

Er wäre also ein Kandidat, doch auch Carlo Sickinger ist wieder fit. Ebenso wie Hercher, allerdings: Janek Sternberg hat auf der Linksverteidigerposition zuletzt nicht viel falsch gemacht. Vorne könnten Christian Kühlwetter und Lucas Röser eventuell Bank- und Startplatz tauschen.

Wir tippen mal auf folgende Startelf: Grill – Schad, Kraus, Fechner, Sternberg – Sickinger, Starke – Hemlein, Skarlatidis, Pick – Kühlwetter (Röser). 

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Text: Eric Scherer

Bild: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Grafik: meineaufstellung.de