Wieder 1:3: FCK lädt zum Tag der offenen Tür – bei freiem Eintritt über die Seiteneingänge

Der 1. FC Kaiserslautern hat seine Anhänger erneut schwer enttäuscht. Nach dem 1:3 am Freitagend gegen den MSV Duisburg ist bereits vermehrt vom „verpufften Effekt“ des Trainerwechsels zu lesen, nachdem Coach Boris Schommers von vier Ligaspielen zwei verloren hat. Nun: Rational greifbar sind solche „Effekte“ ohnehin nicht. Trainer und Mannschaft müssen weiter an den Schwachstellen arbeiten, die im Grunde leicht zu identifizieren, aber halt auch eklatant sind. 26 Gegentreffer nach zwölf Ligaspielen sprechen für sich. Nach fast einem Drittel der Saison hat der FCK noch keine Stammformation in der Abwehr gefunden. Und die wackelt nicht nur im Zentrum. In Duisburg klappte vor allem auch das Defensivverhalten auf den Flügeln nicht.

Dabei schien zu Beginn abermals gut durchdacht, wie Boris Schommers seine Mannschaft präsentierte. Wie erwartet, beließ er Gino Fechner als spielenden Innenverteidiger in der Viererkette, brachte Carlo Sickinger auf der Sechs für den gelbgesperrten Janik Bachmann.

ÜBERRASCHUNG: RECHTS STARTET JONJIC

Vorne allerdings sorgt der Trainer für eine kleine Überraschung. Für Simon Skarlatidis steht Toni Jonjic in der Startelf, der seine angestammte Position auf dem rechten Flügel besetzt. Kapitän Christoph Hemlein rückt dafür in die Mitte, aber nicht auf die Position des fallenden Stürmers, sondern auf die Acht neben Manfred Starke, so dass Lautern den Gegner in einer 4-1-4-1-Formation erwartet, die sich bei Ballbesitz in ein 4-3-3 verschieben kann.

Das sieht zunächst recht vielversprechend aus. Lautern versucht sich sogar mal am frühen Pressing, als der MSV das Leder auf seine rechte Abwehrseite spielt. Christian Kühlwetter hat nach einer Linksflanke Manfred Starkes eine erste Chance, doch reagiert er nicht richtig.

DER ERSTE GEGENTREFFER: KRAUS IST ALLEIN GEGEN ZWEI

Der MSV ordnet sich in einem 4-2-3-1 und deutet früh an, dass er vor allem über die Flügel zum Erfolg kommen will. Seine offensive Dreierreihe ist da auch sehr variabel unterwegs. Talent Lukas Daschner beginnt links, Leroy-Jacques Mickels rechts, Routinier Moritz Stoppelkamp in der Mitte. Das wird sich im Lauf der Partie öfter ändern.

Und als man gerade denkt, da könnte sich ein hochspannender, intensiver und auch auf taktischer Ebene interessanter Schlagabtausch zweier Teams „auf Augenhöhe“ entwickeln, knallt’s direkt – zugunsten des MSV. Mickels darf ungestört von rechts flanken, Kevin Kraus steht sechs Meter vor dem Tor allein gegen den eingerückten Daschner und Mittelstürmer Vincent Vermeij, Daschner darf köpfen – drin.

Was war da denn los? Der zweite Innenverteidiger Fechner stand zu weit weg. „Es war klar gesagt, Manndeckung in der Box,“ moniert auch Trainer Schommers hinterher. Da darf Kraus natürlich nicht allein stehen – hätte er sich nicht aber auch besser zum hohen Ball bewegen können? So scharf bedrängt hatten ihn seine Gegenspieler nicht. Oder hätte nicht auch Rechtsverteidiger Dominik Schad weiter einrücken können? Aber auch Flankengeber Mickels hatte viel zu viel zu Ruhe. Fehler in allen Teilen halt.

NACH DEM 0:1: ORDNUNG STATT PRESSING

Lautern bleibt zunächst mal in seiner Ordnung stehen, startet keine zu energischen Pressingversuche, die vor Sechser Sickinger formierte Viererreihe wartet an der Mittellinie. Wohlwollend ließe sich sagen: Sie behalten die Nerven. Kühlwetters einsame Störversuche in vorderster Reihe sehen freilich eher nach Alibi aus, dafür hat er eine weitere Torchance, diesmal per Kopf nach scharfer Rechtsflanke von Jonjic.

Dann rappelt’s auch schon zum zweiten Mal. Daschner zieht diesmal vom rechten Flügel in die Mitte, schiebt das Leder lässig zum mittig vorm Sechzehner postierten Stoppelkamp und der schlenzt es mit der Abgeklärtheit seiner 32 Jahre neben den rechten Pfosten. Wer war hier eigentlich zuständig?

Und auch wenn die beiden Gegentreffer bislang über die linke Abwehrseite des FCK eingeleitet wurden: Die rechte ist ebenso leicht auszuspielen. Der abermals gewechselte Daschner legt von dort kurz darauf den Ball Stoppelkamp ein weiteres Mal in den Rückraum, der aber scheitert an FCK-Keeper Lennart Grill. Lautern lädt zum Tag der offenen Tür – und zwar über die Seiteneingänge.

VIELE CHANCEN BIS ZUR PAUSE, DENNOCH 0:2

Schommers stellt jetzt um, schickt Jonjic zu Kühlwetter nach vorne, so dass jetzt, in einem flachen 4-4-2, zwei Stürmer die Duisburger in der eigenen Hälfte „stören“, so man das denn so nennen will. Ernsthafte Probleme, den ersten Ball zu spielen und weiter ihre Flügelangriffe einzuleiten, haben die Duisburger nämlich nicht.

Aber: Auch die Lauterer haben durchaus ihre Chancen, im Spiel nach vorne hat Schommers durchaus schon einiges bewegt. Florian Pick scheitert an Keeper Leo Weinkauf, auch Kühlwetter versucht noch zwei Mal zu liefern, hat aber weiterhin keinen Erfolg.

Besonders die Gelegenheit kurz vor Pause führt zu verbalen Ausbrüchen, auch bei den vermeintlich objektiven Medienvertretern. „Den muss er einfach machen“ heißt es da unter anderem, angesichts einer angeblichen „Hundertprozentigen.“

CHANCENTOD KÜHLWETTER? BITTE FAIR BLEIBEN

Da sei mal kurz eingehakt: Kühlwetter läuft in eine Rechtsflanke von Hemlein, die mit viel Effet getreten ist und auch nochmal aufsetzt. Der Stürmer löst sich gut vom Gegenspieler, kreuzt aber ebenfalls mit hohem Tempo die Flugbahn. Okay, er steht sieben Meter mittig zum Tor und an einem guten Tag macht er ihn rein – aber wir reden immer noch über Dritte Liga und Kühlwetter würde nicht beim FCK spielen, wenn er Lewandowski wäre…

Will sagen: Dem 23-Jährigen, der in der vergangenen Saison mit zwölf Treffern als einziger Lautrer Knipserqualitäten unter Beweis stellte, gelingt derzeit nicht viel und  von insgesamt vier Einschussgelegenheiten vor der Pause hätte er gerne eine nutzen dürfen und vielleicht täte es ihm mal gut, im nächsten Spiel nur von der Bank zu kommen – den Jungen aber nun gleich zum personifizierten Chancentod hochzustilisieren, ist ebensowenig angezeigt.

Nach der Pause versucht der FCK zunächst durchaus geordnet, das Spiel weiter nach vorne zu verlagern, doch bereits Sickingers haarsträubender Ballverlust in der 48. Minute deutet an, dass der Fehlerteufel auch in Hälfte zwei allgegenwärtig bleibt. Vermeij scheitert an Grill, vier Minuten später jedoch ist der FCK-Keeper machtlos. Mickels, diesmal von Daschner vertikal angespielt, vernascht in halbrechter Position Fechner und vollstreckt.

THIELE MARKIERT DAS 1:3, ALS SPIELE ER GEGEN EINEN FCK-VERTEIDIGER

Lautern wirkt nun eine Viertelstunde ausgeknockt, berappelt sich dann aber trotz des 0:3-Rückstands noch einmal und kommt durch den eingewechselten Timmy Thiele, der nun für Hemlein den rechten Flügel beackert, zu einem ersten Treffer. Dieser ist  freilich weniger Resultat eines starken Offensivspiels. Thieles Gegenspieler hat einen langen Ball Manfred Starkes derart unbedarft passieren lassen, als wäre er Verteidiger bei Lautern.

In Minute 86 verweigert Schiedsrichter Marco Fritz dem FCK sogar noch einen Elfmeter, den hinterher selbst die Duisburger als berechtigt ansahen. Dominik Schad war gelegt worden, ziemlich dusselig sogar, da er sich gar nicht aufs Tor zubewegte.

Bei einem 2:3 wären inklusive Nachspielzeit noch sechs, sieben Minuten geblieben und die zuletzt gebeutelten Duisburger hätten es vielleicht mit den eigenen Nerven zu tun bekommen. Deswegen aber ein Faß aufmachen wollte auch Boris Schommers hinterher nicht: „Wir haben verdient verloren.“

JETZT HEISST ES, DIE RICHTIGEN PRIORITÄTEN ZU SETZEN

Denn wer tatsächlich sagt, mit etwas mehr Glück wäre für den FCK ein 3:3 drin gewesen, muss auch konstatieren: Für Duisburg wäre mit etwas mehr Glück sogar ein 7:3 drin gewesen, denn die Zebras bereiteten bis zum Schluss immer wieder Einschussgelegenheiten vor, und das nahezu ausschließlich über die Außenbahnen.

So dass sich Boris Schommers schon fragen lassen muss, ob er in seinen ersten Wochen beim FCK die richtigen Prioritäten gesetzt hat. Mit spielerischen Mitteln ins Angriffsdrittel vordringen, Dominanz ausüben, das klingt gut, ist vielversprechend, in Ansätzen sogar schon auf dem Platz sehen. Aber: Bei einer solchen Anfälligkeit von Außen- wie Innenverteidigung werden sich keine zählbaren Erfolge einstellen.

DER SPIELPLAN MEINT ES GUT:  DUELL AUF AUGENHÖHE STEHT AN

Ex-Trainer Sascha Hildmann hat es in unserem Interview im Mai anschaulich erklärt: Die Topteams der Dritten Liga hatten in der vergangenen Saison unter anderem gemein, dass sie schon früh in der Saison stabile Hintermannschaften formiert hatten und diese auch anschließend über weite Strecken von Ausfällen verschont blieben. Der FCK hat nun auch nach zwölf Liga-Partien hinten noch keine Stammbesetzung gefunden. Und solange hinten nicht mehr Sicherheit einkehrt, nutzt auch kein gefälliges Spiel nach vorne – und solange ist in der Pfalz auch nichts anderes angezeigt als Abstiegskampf.

Diesbezüglich meint es der Spielplan nun sogar gut mit den Lautrern: Am nächsten Sonntag, 14 Uhr, geht’s gegen den Tabellen-19. Chemnitzer FC. Ein drei Punkte hinter Lautern platziertes Team, das es auf Distanz zu halten gilt. Man könnte auch sagen: ein Duell auf Augenhöhe. Prima Gelegenheit, um die „Basics“ im Defensivverhalten neu einzuüben.

Text: Eric Scherer

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images