Zerstritten, pleite, flügellahme Funktionäre: Im Duell der Problemklubs braucht es vor allem Moral

Der 1. FC Kaiserslautern reist nach Chemnitz, tritt am morgigen Sonntag, 13 Uhr, als Tabellen-16. beim Tabellen-19 an. Klingt nach einer Partie, in der es nicht viel zu lachen gibt. Hoffentlich haben wenigstens die „Offiziellen“ auf der Tribüne Spaß miteinander, denn öfter wiedersehen werden sie sich wahrscheinlich nicht. Den CFC führt seit einigen Tagen ein vom Amtsgericht bestellter „Notvorstand“, beim FCK flattern, nachdem auch Finanz-Geschäftsführer Michael Klatt diese Woche seinen Abflug ankündigte, nur noch „Lame Ducks“ durch die Führungsetage… Die Fußballer des CFC waren zuletzt dennoch mit guter Moral am Werk – und der FCK? Nach der desolaten Defensivleistung beim 1:3 gegen den MSV Duisburg vergangene Woche hat Trainer Boris Schommers einiges zu puzzeln.

Legt der Coach das Experiment mit Gino Fechner als spielender Innenverteidiger wieder ad acta oder zieht er es weiter durch – trotz der unglücklichen Figur, die der 22-Jährige in Duisburg abgeben hat? Kehrt José Matuwila in die Mannschaft zurück? Wird  Youngster Lukas Gottwalt ins Feuer geworfen, der zweitschwächsten Abwehr in Liga 3 Stabilität zu verleihen? Verordnet der Trainer dem zuletzt glücklosen Stürmer Christian Kühlwetter mal eine Pause? Läuft Carlo Sickinger als Innenverteidiger oder als Sechser au? Rückt Simon Skarlatidis wieder in die Startelf?

Fragen über Fragen. Bei der Pressekonferenz zum Spiel hielt es Boris Schommers wie immer – und verriet nichts über eine mögliche Startelf. Oder zumindest nicht viel.

WER SPIELT, WER DRÜCKT DIE BANK? SCHOMMERS VERRÄT NICHTS

Immerhin: Janik Bachmann wird nach verbüßter Gelbsperre auf seine angestammte Position vor der Abwehr zurückkehren, das hat der Trainer klar formuliert. Matuwila, zuletzt nicht einmal mehr im Kader gestrichen, habe die „Anmerkungen und Anregungen“ des Trainerteams mittlerweile angenommen und sei auf einem guten Weg – ob es für einen Platz im 18er-Aufgebot reiche, sei jedoch noch nicht entschieden.

Ob Carlo Sickinger in Abwehr oder Mittelfeld agiere, hänge davon ab, „ob wir mit einer Sechs oder Doppel-Sechs spielen“. Daraus kann zumindest geschlossen werden, dass Schommers Fechner eher nicht als Sechser auf dem Plan hat, wenn, dann also als Innenverteidiger oder als Reservist.

Aus diesem spärlichen Input kann sich ein jeder nun eine mögliche Aufstellung zusammenpuzzeln. Versuchen wir es mal.

AUF ZUM FRÖHLICHEN STARTELF-TIPPEN – WER MACHT MIT?

Also, wir tippen: Schommers wird nach dem Tag der offenen Flügel in Duisburg zumindest den Linksverteidiger wechseln. Philipp Hercher kommt für Janek Sternberg.

Weiter: Kühlwetter erhält eine schöpferische Pause. Für ihn steht Thiele zur Disposition, ebenso scharrt Neuzugang Röser mit den Hufen.

Und wir tippen: Ja, Schommers probiert’s noch einmal mit Fechner, gibt ihm nach dem Fehlversuch in Duisburg eine Chance, der Coach erwartet schließlich eine Entwicklung, wie er unlängst dem „kicker“ verriet. Sickinger rückt wie angedeutet neben Bachmann, bildet mit ihm eine Doppelsechs, die vor allem für eine bessere Sicherung bei Kontern sorgen soll. Drum bleibt auch Hemlein auf der rechten Offensivposition – weil er in der Rückwärtsbewegung stärker ist als Thiele oder Jonjic.

Oder überrascht Schommers mit Bjanarson in der Spitze? Oder Gottwalt im Abwehrzentrum? Oder mit noch was ganz anderem? Einigermaßen sicher sind wir nur in einem Punkt: Hundertprozentig richtig werden wir mit unserem Aufstellungstipp nicht liegen.

Der sähe dann so aus:

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OBACHT: DER CFC PUNKTETE ZULETZT GEGEN STARKE GEGNER

Hinten stabil stehen ist auf jeden Fall angesagt, gerade bei diesem Tabellen-19. Der Chemnitzer FC hat von seinen bislang zehn Punkten sieben in den jüngsten vier Partien geholt. Seit drei Spielen sitzt Patrick Glöckner auf der Trainerbank, der in der am 33. Spieltag bei Viktoria Köln beurlaubt wurde – als Tabellenerster der Regionalliga West. Mittlerweile ist die Viktoria drittklassig.

Zuletzt schlug der CFC den Zweitliga-Absteiger MSV Duisburg und ertrotzte sich ein Remis bei Zweitliga-Absteiger Ingolstadt – das sollte Lautern Warnung genug sein. Und ein Vorbild, wie man in einem finanziell angeschlagenen und zerstrittenen Klub als Mannschaft Moral zeigt.

Text: Eric Scherer

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Grafik: meineaufstellung.de