1:3 zum Dritten: Der FCK lässt seine Fans auch in Chemnitz im Regen stehen

Die Talfahrt des 1. FC Kaiserslautern hält weiter an. In Chemnitz verliert der FCK in der Fremde zum dritten Mal hintereinander 1:3. Trainer Boris Schommers hatte zwar einige Änderungen in der Startelf vorgenommen, doch keine davon half, die Fehler abzustellen, die seine Hintermannschaft auch bereits in den vergangenen Partien beging. Dass die Roten, die vor langer Zeit mal „Teufel“ genannt wurden, auch durch zwei fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen benachteiligt wurden, war da gar nicht mal spielentscheidend, sondern passt lediglich ins trübe Gesamtbild.

Dass er änderte, überraschte nicht, wie er änderte, schon. Lukas Gottwalt rückte  neben Kevin Kraus in die Innenverteidigung, Janik Bachmann nach verbüßter Gelbsperre neben Carlos Sickinger auf die Doppel-Sechs, ansonsten änderte Schommers  in seinem zuletzt arg anfälligen Defensivverband nichts. Dafür ließ er in der Offensive eifrig rotieren.

Timmy Thiele startet rechts außen für Christoph Hemlein, drum trägt Sturmspitze Christian Kühlwetter die Kapitänsbinde. Neben ihn schiebt sich im Spiel gegen den Ball Florian Pick, so dass eine 4-4-2-Formation entsteht. Links offensiv beginnt Simon Skarlatidis. Der zuletzt als Achter eingesetzte Manfred Starke ist nicht einmal mehr im Kader.

ZWEI GEGENTORE WIE SCHON MAL GESEHEN

Damit war viel Bewegung ins FCK-Team geraten, nur dort, wo sich dringend was hätte verbessern müssen, tat sich nichts. Neun Minuten gespielt, CFC-Mittelfeldspieler Daniel Bohl flankt diagonal auf den Linie hinunter marschierenden Linksverteidiger Paul Milde, Gegenspieler Thiele kommt nicht nach, Milde passt in die Mitte, Gottwalt kommt gegen Philipp Hosiner zu spät – 0:1. Offene Flügel, im Zentrum nicht dicht genug am Mann – das hatten wir doch vor eine Woche erst, oder?

14 Minuten gespielt, CFC-Flügelspieler Rafael Garcia zieht aus kaum Erfolg versprechender, halb linker Position ab. FCK-Keeper Lennart Grill grapscht nach dem Ball, wehrt ihn aber nicht wenigstens zur Seite, sondern in die Mitte ab, wo CFC-Hüne Taris Bonga danke sagt – 0:2. Hatten wir doch so ähnlich schon beim 1:3 in München, oder?

SCHIRI PFEIFT WITZELFMETER UND ZIEHT EINE VERDIENTE ROTE KARTE NICHT

35 Minuten gespielt, Bonga schießt Kevin Kraus aus kurzer Distanz an die Hand. Der hat erstens überhaupt keine Möglichkeit, anders zu reagieren, zweitens ist die Hand nah am Körper, Schiedsrichter Michael Bacher pfeift dennoch Elfmeter, Hosiner verwandelt, 0:3 – okay, ein derart bescheuerter Strafstoß ist in dieser Saison noch nicht gegen den FCK gepfiffen worden.

Bacher war bereits 13 Minuten zuvor unrühmlich in Erscheinung getreten. Als CFC-Sechser Tobias Müller mit offener Sohle im Mittelfeld Sickinger vors Schienbein schlittert, zeigte er lediglich Gelb. Hätte Rot sein müssen. Wenigstens kann Sickinger weiterspielen, im Gegensatz zu Bachmann, der in der 43. Minute mit der Trage vom Spielfeld transportiert wird. Gottwalt hat ihn gerammt, der eigene Mann also. Wenigstens darauf kann man sich beim FCK derzeit verlassen: Was schiefgehen kann, geht auch schief. 

PICK DARF 1:3 MACHEN – DAS AUFBÄUMEN BLEIBT JEDOCH AUS

In der Viertelstunde nach der Torflut schiebt sich der FCK gar nicht mal schlecht nach vorne, kommt auch zu der ein oder anderen Einschussgelegenheit – aber bitte: Es steht 0:3, wer glaubt da wirklich noch eine Wende? Als wolle er dem Publikum eine zweite Hälfte bescheren, die wenigstens noch ein bisschen spannend ist, serviert Milde einen Rückpass so, dass Pick ihn erlaufen und das 1:3 erzielen kann. Pause.

So ein richtiges Aufbäumen ist das aber nicht, was der FCK danach anbieten kann. Pick mit ein paar schönen Flanken und Sternberg mit dem ein oder anderen ruhenden Ball sorgen in Gegners Strafraum mal für Betrieb, viel mehr kommt jedoch nicht.

CFC ERST ÜBER RECHTS, DANN ÜBER LINKS – STERNBERG HAUT SICH REIN

Chemnitz behält die Kontrolle – gut konzentriert, gut geordnet und mit einer Härte, die ab und an grenzwertig ist und auch mal darüber hinaus geht. Aber genau das ist Abstiegskampf. Hatte der CFC den fck in der ersten Hälfte immer wieder über die rechte Abwehrseite bloßgestellt, versucht er es in der zweiten Hälfte vornehmlich über die linke, über den Riesen Bonga. Und wenigstens das muss man Sternberg lassen: Er sieht gegen den körperlich überlegenen Gegenspieler zwar alles andere als gut aus, aber er haut sich wenigstens rein.

Schommers wechselt noch zwei Mal, bringt Lucas Röser für Skarlatidis, der sich daraufhin zu Kühlwetter in den Sturm gesellt, während Pick nach links außen geht. Der Effekt ist gleich null. Dann bringt der Trainer Hemlein für Sickinger – in der Mittelfeldzentrale also. Der Mann mit der Nummer 17 erledigt den Job auf der ungewohnten Position ordentlich, irgendwas, was am Endergebnis noch was ändern könnte, gelingt ihm aber nicht. 

Am Ende weint nicht nur der Himmel. Die Fans, die weiten Anreise in den Osten auf sich genommen haben, fühlen sich wieder einmal im Regen stehen gelassen, diesmal sogar buchstäblich. Wie war das nochmal mit dem Fritz-Walter-Wetter? 

„LERNEN, MIT DEM DRUCK UMZUGEHEN“ – GUTE IDEE

„Mir fehlen die Worte“, konstatiert Pick, wie mittlerweile üblich der Lautrer mit den klarsten Aktionen, um dann doch noch Worte zu finden. „Wir hatten acht Trainingseinheiten unter der Woche, in denen es auch in den Zweikämpfen richtig zur Sache ging. Aber dann machst du Fehler wie den, mit dem Mann nicht richtig mitzugehen. Fakt ist, dass wir’s nicht auf dem Platz nicht richtig hinkriegen.“

Auch Schommers Analyse ist deutlich: „Wenn die Mannschaft nicht von der ersten Minute an kämpft, wird sie auch keine Spiele gewinnen.“ Dadurch habe sie das Spiel „in den ersten 25 Minuten vergeigt.“ Alles richtig, fragt sich nur, wann dem Trainer es endlich gelingt, die immer gleichen Fehler, die zu Gegentoren führen, endlich abzustellen.

Der FCK steht nun auf einem Abstiegsrang, wirkt aber kaum wie eine Mannschaft, die sich dessen bewusst ist. „Wir müssen lernen, mit dem Druck umzugehen“, sagt Florian Pick. Das klingt nicht unbedingt nach Nektar vom Baum der Erkenntnis, aber fällt jemand was Besseres ein?

Text: Eric Scherer

Foto: Thomas Eisenhuth/Getty Images