Viele Fragezeichen vorm Würzburg-Spiel: Gewonnen wird im Kopf, aber auch der Körper muss wollen

Gelingt es dem 1. FC Kaiserslautern diesmal, die positive Energie aus einem Erfolgserlebnis im DFB-Pokal ins nachfolgende Ligaspiel mitzunehmen? Am morgigen Samstag, 14 Uhr, bietet sich im Heimspiel gegen die Würzburger Kickers dazu die nächste Chance. Tore scheinen garantiert zu sein, stehen sich doch die Schießbuden der Liga gegenüber. Der FCK kassierte in 13 Spielen bereits 29 Gegentreffer, der Gast 31 – damit stehen sich auf dem Papier die beiden schwächsten Abwehrreihen der Liga gegenüber. Wie immer lohnt sich jedoch ein genauerer Blick in die Statistik. Die xG-Grafiken vom Auswärtsspiel in Chemnitz nachzureichen, ist da eine weitaus unerfreulichere Aufgabe.

Lautern hat von seinen 29 Gegentoren nur sieben in seinen bislang sechs Heimspielen gefangen und sich gegen Ingolstadt auch das einzige „zu null“ dieser Saison zuhause erspielt. Würzburg dagegen hat in der gesamten Spielzeit noch gar nicht genullt und in der Fremde 18 Buden kassiert. Das sollte FCK-Fans, denen solche Zahlenspiele Mut machen, doch um einiges zuversichtlicher stimmen.

PICK UND BACHMANN SIND FRAGLICH

Eigentlich aber werden Fußballspiele ja nicht am Rechner, sondern auf dem Rasen entschieden. Und da wiederum, so werden wir immer wieder belehrt, „ist der Kopf entscheidend“. Und den tragen die Lauterer seit dem 8:7-Erfolg gegen Zweitligist Nürnberg am Mittwoch im DFB-Pokal wieder höher. Diesen Spirit gilt es nun also in die Liga hinüberzuretten. Nach der ersten Pokalrunde und dem 2:0-Sieg über Erstligist Mainz glückte dieser Transfer den Pfälzern überhaupt nicht: Im darauffolgenden Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig folgte direkt eine ernüchternde 0:3-Schlappe.

Diesmal soll es anders werden. Andererseits ist dies aber eben nicht nur reine Kopfsache, auch der Körper muss nach den 120 Minuten vom Mittwoch erstmal  mitmachen. Und da stellen sich einige Fragezeichen.

Der seit Tagen erkältete Florian Pick, der sich gegen Nürnberg dennoch 70 Minuten lang aufrieb, ist, so FCK-Trainer Boris Schommers am Freitag in der PK zum Spiel, zwischenzeitlich „in Watte gepackt“ worden und kann wohl auflaufen – sicher ist das jedoch nicht. Ebenfalls fraglich ist die Rückkehr Janik Bachmanns nach seiner im jüngsten Auswärtsspiel gegen Chemnitz erlittenen Prellung. Bei wem sonst eventuell der Akku alle ist? Über seine voraussichtliche Startelf schweigt Schommers sich wie immer aus.

SCHAD UND KRAUS FEHLEN AUF JEDEN FALL – SCHOMMERS HAT ALTERNATIVEN

Rotiert werden muss auf jeden Fall, denn Dominik Schad und Kevin Kraus fehlen gelbgesperrt. Welche Alternativen dem Trainer zur Verfügung stehen?

Für Schad käme in Frage, Philipp Hercher auf die rechte Seite zu ziehen und Janek Sternberg als Linksverteidiger aufzubieten. Bleibt der Coach der am Mittwoch erfolgreich eingeführten 5-3-2-Grundordnung treu, bieten sich zudem Christoph Hemlein und Toni Jonjic auf der rechten Außenbahn an. Jonjic wäre die offensive Variante, und mehr Initiative nach vorne sollte es gegen Würzburg schon sein, so stabil die neue Formation im Spiel gegen den Ball am Mittwoch auch stand.

Für Kraus könnte die Mittelfeldspieler Gino Fechner oder Carlo Sickinger ins Abwehrzentrum zwischen die Innenverteidiger Lukas Gottwalt und André Hainault übernehmen und Janik Bachmann auf die Sechs zurückkehren. Oder aber, José Matuwila übernimmt die linke Seite und Hainault rückt ins Zentrum. Wenn auch Bachmann noch nicht wieder zur Verfügung steht, könnten Fechner oder Sickinger die zentrale Sechser-Position übernehmen, Starke einen Achter-Platz in einem der Halbräume übernehmen.

Fällt Pick aus, könnte Lucas Röser seinen freiwerdenden Posten als zweiter Stürmer übernehmen.

Das könnte dann so aussehen:

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Der Einsatz des variablen Kühlwetter ermöglicht es zudem, in ein 3-4-3 zu swichten, mit ihm im Sturmzentrum und Thiele als Rechtsaußen. Wäre sowohl situativ als auch dauerhaft denkbar.

AUCH WENN ES WEH TUT: DIE XG-GRAFIKEN VOM CHEMNITZ-SPIEL

Und nun gebietet die Chronistenpflicht, die Uhr nochmal auf die Zeit vor dem DFB-Pokal zurückzudrehen, das hoffentlich vielleicht diesmal eine Wende bringt: die xG-Grafiken vom Spiel in Chemnitz. Machen wir’s kurz: Sie bestätigen, was wir alle schon wussten: Der CFC gewann verdient, und der FCK war auch nach der Pause nicht besser, sondern schoss lediglich weniger Abwehrböcke.

Die Timeline der „expected Goals“:

2019-10-27 1437461 xG plot Chemnitzer 3 - 1 Kaiserslautern.png 

Die „Pitchplots“: Die Gelegenheiten nach ruhenden Bällen („Set Pieces) sind wieder einmal eine reine Peinlichkeiten. Interessant: In der banalen Auflistung der Torschüsse steht der FCK gar nicht so schlecht dar – nur 14:12 für CFC – da zeigt sich wieder einmal um wieviel aufschlussreicher es ist, die qualitativ bewerteten Torchancen aneinanderzureihen (siehe oben).

2019-10-27 Pitch plot Chemnitzer 3 - 1 Kaiserslautern.png

Die Positions- und Passgrafik: Ja, es gab schon deprimierendere Visualisierungen. Allerdings fällt wieder mal auf, wie wenig Pässe sich die Offensiven zuspielen.

2019-10-27 Kaiserslautern Passing plot Chemnitzer - Kaiserslautern.png

Zum Vergleich Chemnitz: Da finden sich schon ein paar Linien mehr.

2019-10-27 Chemnitzer Passing plot Chemnitzer - Kaiserslautern.png

Interessant die Betrachtung der „Zone 14“. Im Zehnerraum war erstaunlich viel los beim FCK, was nach der Betrachtung der Positions- und Passgrafik nicht unbedingt zu erwarten war.

2019-10-27 Zone 14 plot Chemnitzer - Kaiserslautern.png

Die Halbräume: dito.

2019-10-27 Halfspace plot Chemnitzer 3 - 1 Kaiserslautern.png

Text: Eric Scherer

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images    Grafiken: 11tegen11