FCK will in Uerdingen mit neuer Hierarchie dem Druck begegnen – „Ketten oder Systeme sind nicht das Problem“

Der 1.FC Kaiserslautern tritt beim KFC Uerdingen an. Da treffen zwei aufeinander, die für Drittligaverhältnisse viel investiert haben, bei denen der Ertrag jedoch bislang ausblieb. Beide haben darauf bereits mit Trainerwechseln reagiert. Wobei die Uerdinger zusätzlich eine eher ungewöhnliche Führungsstruktur wählten. In Lautern dagegen hat der neue Trainer Boris Schommers in den vergangenen Wochen einiges probiert, aber noch keine Erfolge erzielt. In der ablaufenden Woche sorgte er mit einigen Personalentscheidungen für Schlagzeilen. Diese sollen nun am Samstag, ab 14 Uhr in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena endlich Wirkung zeigen.

Christoph Hemlein, Janek Sternberg und Antonio Jonjic werden „bis auf Weiteres“ bei der Zweiten Mannschaft mittrainieren. Für sie werden Mohamed Morabet, Flavius Botiseriu und Anil Gözütok aus der U21 in den Profikader hochgezogen. Dabei beeindruckt insbesondere Hemleins Fallhöhe: Der 28-Jährige war unter Schommers bislang nicht nur fast durchgehend gesetzt, sondern auch Kapitän. Vergangene Woche jedoch war er maßgeblich daran beteiligt, dass die Heimpartie gegen die Würzburger Kickers 2:3 verloren ging. Erst markierte Hemlein an Eigentor, dann kassierte er nach einer riskanten Aktion die Gelb-Rote Karte, so dass seine Mannschaft die letzte halbe Stunde der Partie in Unterzahl bestreiten musste.

Schommers betont allerdings, dass es weder bei Hemlein noch bei den beiden anderen Spielern um irgendwelche einzelnen Vorfälle gehe. Die Entscheidungen resultierten aus einer eingehenden Analyse der vergangenen Wochen. Es gelte, dem Team eine neue Struktur und eine Hierarchie zu verleihen. Der Mannschaft fehle es an Leadern.

SICKINGER SOLL IN FÜHRUNGSROLLE WACHSEN

Es habe sich gezeigt, dass einige „vermeintliche Führungsspieler nicht mit der aktuellen Drucksituation umgehen können“, so Schommers in der Pressekonferenz zum Spiel. Damit könnte Hemlein durchaus konkret gemeint gewesen sein.

Die aktuellen Personalentscheidungen sollen einigen Spielern nun ermöglichen, in diese Rolle hineinzuwachsen. Da soll sich wohl vor allem Carlo Sickinger nun stärker in die Pflicht genommen fühlen. Der 22-Jährige wurde von Schommers noch am Donnerstag zum neuen Kapitän bestimmt – und dies soll er vorerst bis zur Winterpause auch bleiben. Von den aus der U21 hochgezogenen Spielern sei Morabet derjenige, der einem Kaderplatz für Samstag am nächsten sei, entschieden sei aber noch nichts.

WIEDER DABEI: SCHAD, KRAUS UND – WAHRSCHEINLICH – BACHMANN

Auch sonst gibt es kaum Hinweise, wie die Startelf gegen Uerdingen aussehen könnte. „Es wird definitiv Veränderungen geben“, sagt Schommers lediglich. Da die zuletzt gelbgesperrten Dominik Schad und Kevin Kraus wieder zur Verfügung stehen und auch Janik Bachmann nach seiner Rückenprellung wieder dabei sein kann, sofern er die noch ausstehenden Trainingseinheiten absolviert, ist davon ohnehin auszugehen.

Und die Frage nach der möglichen Grundordnung sei sowieso sekundär, so der Trainer: „Ketten oder Systeme sind nicht das Problem.“ Vielmehr gelte, es die drei Dinge auszumerzen, die über 80 Prozent der 18 Gegentreffer ausmachten, die seine Mannschaft seit seinem Amtsantritt kassierte: „Individuelle Fehler, Standards, Eigentore“.

Wir tippen dennoch, dass Schommers bei der 5-3-2-Formation bleibt, mit der der FCK vergangene Woche im DfB-Pokalspiel gegen Zweitligist Nürnberg gegen den Ball weitgehend gut stand – und die sich nach der Rückkehr von Schad und Kraus in der auch personell wieder so besetzen lässt.

Das sähe dann so aus:

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Simon Skarlatidis, dessen Treffer zum 2:3 im Würzburg-Spiel zu den wenigen Lichtblicken gehörte, könnte gegebenenfalls für Christian Kühlwetter rutschen.

Lautern kommt als Tabellen-18 nach Düsseldorf, der Klub des russischen Investors Mihail Ponomarev rangiert nunmehr auf Rang 12. Er hat ebenfalls vor knapp sechs Wochen die vielzitierte Reißleine gezogen – und ist nach einem erklecklichen Trainerverschleiß in den vergangenen Jahren neue Wege gegangen.

KFC: MIT „EFFE“ AUF NEUEN WEGEN

Für den entlassenen Heiko Vogel verpflichtete der KFC den im Profigeschäft noch weitgehend unbekannten Daniel Steuernagel, der sein Amt allerdings in einer Doppelspitze mit dem erfahreneren Teammanager Stefan Reisinger ausübt. Und über diesen beiden thront seit einigen Wochen der ehemalige Bayern-Star Stefan Effenberg als Manager.

Von der 0:2-Niederlage gegen den Tabellenzweiten MSV Duisburg am vergangenen Wochenende mal abgesehen, gestaltet sich die ungewöhnliche Konstellation bislang recht vielversprechend. Die beiden Partien zuvor wurden gewonnen, und in den zwei Spielen davor holte Reisinger als Interimslösung vier Punkte. Macht zehn Zähler in fünf Partien. Lautern holte im gleichen Zeitraum nur drei.

In der Tat: Es ist schon eine besondere Drucksituation, die da entstanden ist. Und in der es neue Führungsspieler braucht.

Text: Eric Scherer

Foto: Michael Titgemeyer/Getty Images     Grafik: meineaufstellung.de