Kaum zu glauben, aber wahr: Lautern siegt beim Grotifanten souverän mit 0:3

Ist dies tatsächlich geschehen? André Hainault springt der Ball gegen die Hand, und der Schiri pfeift keinen Elfmeter. Kein Lautrer, sondern ein gegnerischer Spieler markiert ein Eigentor. FCK-Keeper Lennart Grill klatscht einen Ball zur Strafraummitte ab, der nicht direkt abgestaubt wird. Der 1. FC Kaiserslautern schlägt serienweise gefährliche Eckbälle vor Gegners Tor. Der FCK kassiert keine drei Gegentreffer, sondern schießt selbst drei. Er spielt sogar zu null. Und macht ein richtig, richtig gutes Auswärtsspiel. Das alles mag kaum zu glauben sein, aber es ist wahr: Der FCK hat den KFC Uerdingen 3:0 geschlagen. Tatsächlich.

War das tatsächlich dieselbe Mannschaft, die ihren Fans seit Monaten so viel Kummer bereitet hat? Doch, das war sie. Und doch wieder nicht, jedenfalls nicht so ganz. FCK-Trainer Boris Schommers hatte die Startelf gegenüber der jüngsten 2:3-Heimniederlage gegen Kickers Würzburg auf vier Positionen geändert, wobei die Rückkehr der zuletzt gelbgesperrten Dominik Schad und Kevin Kraus sowie des zuletzt angeschlagenen Janik Bachmann nicht weiter überraschte. Aufhorchen ließ lediglich die Nominierung von Hendrick Zuck. Der 29-Jährige, unter Schommers-Vorgänger Sascha Hildmann quasi ausgemustert, hat es zurück ins Team geschafft.

Zudem ändert der Trainer erneut die Grundordnung, kehrt zu einer Viererabwehrkette zurück, in der Kraus und Hainault die Innenverteidigung bilden. Also Rückkehr zur Stammbesetzung der vergangenen Saison, nach der es eigentlich hieß, dass die beiden zu langsam wären, um nebeneinander agieren zu können. In der Mittelfeldzentrale harmonieren Bachmann sowie der neue Kapitän Carlo Sickinger.

VORNE ROTIERT NUN EIN QUARTETT – UND DAS IST AUSBAUFÄHIG

Die offensiven Außenpositionen und die beiden Plätze im Sturm besetzen Zuck, Florian Pick, Timmy Thiele und Christian Kühlwetter. Alle vier haben sowohl schon zentral als auch auf beiden Flügeln gespielt, so dass sie im Prinzip während des Spiels nach Belieben rotieren und Verwirrung stiften können. Das tun sie in den folgenden 90 Minuten auch, wenngleich (noch) nicht unbedingt exzessiv. Ausbaufähig ist das flexible Zusammenspiel dieses Quartetts aber durchaus, zumal die Feuertaufe absolut Lust auf mehr gemacht hat.

Denn was die nach vier Niederlagen in fünf Spielen extrem angeschlagene Elf anschließend abliefert, ist so überzeugend, dass man sich als Berichterstatter regelrecht selbst ausbremsen muss, um nicht die notorischen „Eine Schwalbe-macht-noch-keinen-Sommer“-Mahner auf den Plan zu rufen.

In der Anfangsviertelstunde, in der die Lauterer in den jüngsten fünf Partien bereits den ersten Gegentreffer kassierten, müssen die Anhänger nur zwei Mal kurz die Luft anhalten. Einmal, als Hainault aus kurzer Distanz der Ball an die Hand springt und es keinen Pfiff gibt – ein Elfer wäre zwar ein Witz gewesen, doch von denen hat es zuletzt einige gegeben, und niemand hat gelacht. Und einmal, als nach einem Uerdinger Flügelangriff der Ball vor den Sechzehner abgewehrt wird und KFC-Mittelfeldspieler Adam Matuschyk viel zu ungestört abziehen darf. Er trifft jedoch nicht.

ALLE MAL DIE AUGEN REIBEN: DER FCK DOMINIERT DIE PARTIE SOUVERÄN

Ansonsten dominiert der FCK die Partie in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena wider allen Erwartungen souverän. Passsicher, beherzt nach vorne verteidigend, wiederholt sogar mit Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte. Und, o Wunder: Die von Pick und Zuck getretenen Eckbälle segeln ein und ums andere Mal brandgefährlich in den Uerdinger Strafraum. Eine erste Kopfballchance hat Hainault, eine zweite setzt Kraus an die Torlatte.

Und als gegen Ende der ersten Hälfte der Betrachter trotz des überzeugender Darbietung kurz davor ist, doch schon wieder zu meckern, weil trotz dieser Überlegenheit kein Tor gefallen ist, geht der FCK in Führung. Thiele scheitert zunächst beim Versuch, aufs Gehäuse zu ziehen, legt zurück auf Schad, der flankt – und KFC-Innenverteidiger Assani Lukimya fälscht das Leder ins Netz ab.

Nicht zu fassen: Ausnahmsweise hat der Gegner mal ein Eigentor erzielt. Und fast könnte man so etwas schreiben wie: Der FCK hat sich sein Glück erzwungen.

FURIOSER START IN HÄLFTE ZWEI – UND EIN SCHRECKMOMENT

Uerdingens Übungsleiter-Tandem Steuernagel/Reisinger reagiert mit zwei Wechseln zur Pause – Christian Kinsombi und der Ex-Lautrer Osayamen Osawe kommen für Ali Ibrahamaj und Oliver Steurer. Die erhoffte Signalwirkung bleibt jedoch aus: Lautern legt erneut furios los, erspielt sich innerhalb von fünf Minuten gleich drei Einschussgelegenheiten, doch Thiele, Zuck und Kühlwetter verpassen.

Dann patzt FCK-Keeper Grill, klatscht einen mit Effet getretenen Flankenball in die Strafraummitte ab – das hat sich in dieser Saison schon wiederholt als verhängnisvoll erwiesen. Doch auch dieses Malheur hat diesmal keine unmittelbaren Konsequenzen. KFC-Stürmer Tom Boere, guter Mann eigentlich, haut den Abpraller drüber.

Für einige Momente sieht es nun so aus, als fingen sich die Uerdinger. Und der grundsätzlich pessimistisch gewordene Lautern-Fan muss schon wieder fürchten, jetzt räche sich der leichtfertige Umgang mit den bislang vorhanden Torgelegenheiten – doch dann beginnt der FCK das sogenannte Umschaltspiel nahezu lehrbuchmäßig zu zelebrieren.

THIELE STARK – ABER ES HÄTTEN NOCH ZWEI MEHR SEIN DÜRFEN

Langer Ball von Grill, in der Nähe der Mittellinie legt Pick mit Kopf auf den heransprintenden Thiele ab, der geht ein paar Meter, guckt, sieht die mitlaufenden Zuck und Kühlwetter, passt exakt, Zuck überlässt dem besser postierten und auch nicht abseitsgefährdeten Kühlwetter, der nun über die linke Seite kommt – und der vollstreckt eiskalt. 2:0 nach 56 Minuten.

Neun Minuten später: Linksverteidiger Philipp Hercher schickt mit einem gut getimten Vertikalpass aus der eigenen Hälfte den halblinks postierten Thiele auf die Reise und der überwindet KFC-Keeper Lukas Königshofer zum 3:0.

Die Partie ist gelaufen. Uerdingen ist konsterniert, Matuschyk geht sogar drei Minuten früher duschen, nachdem er sich Gelbrot abgeholt hat.

„Eins eingeleitet, eins aufgelegt, eins selbst gemacht“, zählte Thiele hinterher seine Verdienste in dieser Partie auf. „0:3 auswärts – da kann man nicht meckern“, fand Bachmann. Wirklich nicht? Okay, bevor das hier zu einer einzigen Lobhudelei ausartet, sagen wir’s halt: Thiele hätte noch zwei Treffer machen können. Oder wenigstens einen.

„GEMEINSCHAFTLICH GESCHLOSSEN ZU NULL GESPIELT“

Auch Trainer Schommers hätte sich gewünscht, „dass das 2:0 ein wenig früher fällt“, freute sich aber selbstverständlich dennoch, „dass wir gemeinschaftlich geschlossen zu null gespielt haben.“ Und betonte noch einmal, dass die vorübergehende Versetzung der Spieler Christoph Hemlein, Janek Sternberg und Antonio Jonjic unter der Woche keine „Suspendierung“ gewesen sei. „Ich habe lediglich erreichen wollen, dass andere Verantwortung übernehmen.“ Fakt ist: Das sah insgesamt sehr gut aus.

Bleibt jetzt eigentlich nur noch der übliche Appell, dass nach dieser Darbietung endlich mal auf gleichem Level „nachgelegt“ werden muss. Mit Uerdingen hat der FCK nun abermals einen Gegner geschlagen, dem er auch in der vergangenen Saison in zwei Spielen sechs Punkte abgeknöpft hat.

Nach der nun anstehenden Länderspielpause kommt am Totensonntag Hansa Rostock auf den Betzenberg. Ein Gegner, gegen den der FCK in der vergangenen Spielzeit zwei Mal deutlich verloren hat. Gibt’s eine bessere Gelegenheit, die Leistung dieses Samstags zu bestätigen?

Text: Eric Scherer

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images