Gedankenspiele in der Länderspielpause: Die Findungsphase ist abgeschlossen – doch bis Weihnachten warten noch einige harte Brocken 

In dieser Länderspielpause Zwischenbilanz zu ziehen, ist gar nicht so einfach. Unter dem Eindruck des rundum überzeugenden Auftritts beim 3:0-Auswärtssieg gegen den KFC Uerdingen am vergangenen Samstag könnte dieser leicht zu hoffnungsfroh ausfallen – auch wenn beim 4:2 Sieg im Elfmeterschießen am gestrigen Mittwochabend im Verbandpokal gegen FK Pirmasens beinahe schon wieder der nächste Rückschlag erfolgt wäre. Doch auch davon abgesehen, wäre es blauäugig anzunehmen, dass der 1. FC Kaiserslautern die Liga noch von hinten aufrollt, schließlich stehen bis Weihnachten noch einige harte Brocken auf dem Spielplan. Zumindest eines lässt nach nunmehr sieben Liga-Partien, zwei Verbandspokal- und einem DFB-Pokalspiel unter Boris Schommers erkennen: Der Coach hat sich eine lange „Findungsphase“ gegönnt. Das kostete Nerven, kann sich auf Sicht aber vorteilhaft auswirken. 

Wie viele hatten sich nach der Entlassung von Sascha Hildmann Mitte September einen „erfahrenen“ Coach gewünscht, einen, „der die Liga kennt“. Einen, der den FCK-Kader direkt realistisch einschätzen kann, weil er ihn schon mehrmals bei Gegneranalysen unter die Lupe genommen hat, den ein oder anderen Spieler vielleicht auch schon mal persönlich gecoacht hat. Einen, der möglichst schnell eine  Stammbesetzung findet und sich für eine feste Grundordnung entscheidet, um dem im freien Fall befindlichen Team wieder zu Stabilität zu verhelfen.

Dann jedoch kam Boris Schommers, einer, der auf gerade 13 Spiele als Interimscoach in der Ersten Liga zurückblickt, ansonsten bislang nur als Assistent oder Cheftrainer im Jugendbereich unterwegs war. Und der machte es anders, als das Handbuch für  Trainer-Feuerwehren es vorsieht.

Er nahm sich Zeit, seine Spieler nach und nach unter Wettkampfbedingungen kennen zu lernen, wechselte munter durch und probierte auch taktisch einiges. Die Punktausbeute blieb dabei bescheiden. Sieben Punkte aus sieben Spielen – das ist zu wenig, um in Kaiserslautern sorglos leben zu können.

VIEL BEWEGUNG IN SACHEN PERSONAL UND TAKTIK

Auch das Personal muss Wellentäler durchschreiten. So verschwand José Matuwila nach zweieinhalb Spielen unter Schommers aus der Startelf und kehrte bislang nicht einmal mehr für Kurzeinsätze zurück. Gino Fechner als spielenden Innenverteidiger einzubauen, schien zunächst eine gute Idee, wurde jedoch nach dem desaströsen Auftritt beim 1:3 in Duisburg wieder aufgegeben. Für ihn rückte Youngster Lukas Gottwalt aus der U21 in Startelf, in Uerdingen zuletzt stand er jedoch auch schon wieder nicht mehr im Kader. 

Seit dem DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg ist nun André Hainault wieder fester Bestandteil der FCK-Abwehr. Zunächst als Element einer Fünferkette, bildete er in  Uerdingen nun mit Kevin Kraus die Innenverteidigung einer Viererreihe.

Carlo Sickinger kam mal als Innenverteidiger, mal im Mittelfeld zum Einsatz, Manfred Starke, zu Saisonbeginn unter Hildmann noch Stammkraft, ist nur noch Wackelkandidat. Simon Skarladitis schien zunächst als „fallender“ Stürmer in einer 4-4-2/4-2-3-1-Formation gesetzt zu sein, mittlerweile kommt er nur noch als Einwechselspieler zum Einsatz.

VERGANGENE WOCHE ERFOLGTE DER HÄRTESTE EINGRIFF

Vergangene Woche dann drehte Schommers noch härter am Personalkarussell.  Christoph Hemlein, Janek Sternberg und Antion Jonjic wurden zur U21 versetzt, Anil Gözütok, Mohamed Morabet und Flavius Botiseriu in den Profikader hochgezogen. Und gegen Uerdingen stand plötzlich wieder Hendrick Zuck in der Startelf, der unter Hildmann quasi ausgemustert worden war.

Klar, dass angesichts so vieler personeller wie taktischer Bewegungen vor allem in der Niederlagenserie, die dem Auswärtssieg beim KFC vorausging, sofort Vorwürfe laut wurden, Schommers agiere „planlos“ und „hektisch“, was zeige, dass er „von dieser Liga eben keine Ahnung habe.“ Das 3:0 gegen Uerdingen jedoch weckt zumindest Hoffnung, dass die lange Findungsphase möglicher Weise doch Sinn machte. Dass nun endlich ein Mannschaftsgefüge entstanden ist, das den FCK erfolgreicher in die nächste Zukunft trägt.

NUR ZWEI ÄNDERUNGEN VOR DEM SPIEL GEGEN DEN FKP

Dass die Zeit des Ausprobierens vorbei zu sein scheint, bestätigt auch der Blick auf die Startelf zu bestätigen, mit der Schommers gestern ins Verbandspokalspiel gegen den FK Pirmasens starten ließ. Gegenüber dem Uerdingen-Spiel nahm er lediglich zwei Änderungen vor, und eine davon geschah gezwungener Maßen: Timmy Thiele war nach seinem Platzverweis in der vorangegangenen Runde gegen den SV Gonsenheim gesperrt, für ihn begann Lucas Röser. Für Christian Kühlwetter rückte zunächst Skarladitis ins Team.

Anschließend gelang den Lauterern 120 Minuten lang kein Treffer, im Elfmeterschießen trafen Kevin Kraus, Carlo Sickinger sowie die eingewechselten Gino Fechner und Andri Bjarnason. Lennart Grill parierte zwei Straßstöße der Gastgeber. 

Auf den ersten Blick also keine Ruhmestat des FCK. Andererseits aber auch kein Grund, die überzeugende Leistung gegen Uerdingen gleich wieder zu Makulatur zu erklären. Im Verbandspokal bringen Regionalligisten klassenhöhere Gegner immer wieder an den Rand der Verzweiflung, indem sie tief stehen und sich mit der ganzen Leidenschaft des Underdogs reinhauen. Und Lautern ist nicht der einzige Drittligist, dem es an spielerischen Mitteln fehlt, um sich durch eng stehende Abwehrketten zu kombinieren.

OFFENSIVSPIEL IST NOCH NICHT DAS GELBE VOM EI

Gleichwohl arbeitet Schommers auch daran, und die neue Offensivbesetzung mit vier variablen Spielern, die sowohl auf den Flügeln, im Zentrum und gegebenenfalls auf der Zehnerposition rochieren können, sah gegen Uerdingen durchaus vielversprechend aus. In Pirmasens zeigte sich nun aber, dass sie doch noch nicht so weit ist.

Die besten Einschussmöglichkeiten verzeichneten Philipp Hercher und der eingewechselte Christian Kühlwetter nach flachen Zuspielen von den Flügeln in den Rückraum. Röser köpfte nach 78 Minuten eine Florian Pick-Ecke in die Arme des FKP-Keepers Benjamin Reitz, der ebenfalls eingewechselte Gino Fechner traf in Minute 120 den Außenpfosten. 

Viel mehr Möglichkeiten gab es nicht, und das dürfte nicht nur daran gelegen haben, dass Thiele fehlte. Als Stürmer mit eher großer Übersetzung hätte er in diesen engen Räumen wohl auch nicht viel ausgerichtet.

BJARNASON KÖNNTE EIN MITTEL GEGEN MAUERTAKTIK WERDEN

In Minute 73 war Andri Bjarnason eingewechselt worden, der wegen Verletzungen bislang kaum zum Einsatz kam. Der Isländer, der im FCK-Kader am ehesten dem Typ des Sturmtanks entspricht, machte vorne einige Bälle fest und deutete zumindest an, dass er künftig eine Waffe gegen tiefstehende Gegner sein könnte.

Kaum gefordert wurde dagegen der unverändert gebliebene Lautrer Defensivverband. Für den stehen in den nächsten Wochen echte Belastungsproben an. Fünf Partien stehen für den FCK bis zur Winterpause noch an. Am Totensonntag geht es zuhause gegen FC Hansa Rostock, gegen Lautern in der vergangenen Saison klar verlor. Anschließend geht es gegen Überraschungsaufsteiger Viktoria Köln, danach gegen Topteam Halle, danach gegen den Talenteschuppen des FC Bayern München. Und noch am 21. Dezember muss der FCK zum Rückrundenstart zur SpVgg Unterhaching, die heuer ebenfalls vorne dabei ist.

In diesen Spielen dürfte der Hintermannschaft vor allem in punkto Geschwindigkeit einiges abverlangt werden, und da wird es spannend sein zu sehen, wie vor allem die Kämpen Kraus und Hainault damit klarkommen. Dass der FCK bis Weihnachten in der Tabelle noch große Sprünge nach oben vollführt, ist dagegen nicht zu erwarten.

Text: Eric Scherer

Foto: Thomas Eisenhuth / Getty Images