Auf nach Köln – Lautern will auch gegen den Ex-Kapitän nach Punkten PICKen

Trainer sehen es normaler Weise nicht so gerne, wenn um einzelne ihrer Spieler mehr Bohei gemacht als über andere. Doch auch Boris Schommers, Chefcoach des 1. FC Kaiserslautern, muss in diesen Tagen einfach damit leben, immer wieder explizit auf einen seiner Jungs angesprochen zu werden. Seinem Kollegen Pavel Dotchev, Übungsleiter von Viktoria Köln, geht‘s da nicht anders. Am Samstag, 14 Uhr, treffen die beiden Teams im Stadion im Sportpark Höhenberg aufeinander. Und mit ihnen die beiden Offensivspieler, über die derzeit viel geredet wird – wohl auch, weil sie zu Beginn dieser Spielzeit keiner als die Top-Torjäger dieser Liga auf dem Zettel hatte.

36 Jahre alt ist Albert Bunjaku mittlerweile, und er trifft besser denn je. Mit bislang zwölf Treffern führt der Kosovare gegenwärtig die Torjägerliste der Dritten Liga an. Und von dieser Erfolgsbilanz im Selbstbewusstsein gestärkt, hat er keine Bedenken, noch ein weiteres Jahr als Profi anzustreben. Vertragsverhandlungen mit dem Aufsteiger laufen bereits.

“Das ist schon prima, aber ich tue auch einiges dafür, um auf diesem Niveau weiterhin mithalten zu können“, verrät der erste Torschütze der 2016 in die UEFA aufgenommenen kosovarischen Nationalmannschaft in der aktuellen Printausgabe des „kicker“. „Davon abgesehen, erlebt man als Stürmer auch immer mal Zeiten, in denen der Ball einfach so vom Fuß ins Tor rollt.“ Auf humorvolles Understatement versteht er sich demnach ebenso.

2013 SCHEITERTE BUNJAKU ALS FCK-KAPITÄN IN DEN AUFSTIEGSSPIELEN

Solche Zeiten hat Bunjaku auch mal beim FCK erlebt. 2012 war er ablösefrei vom 1. FC Nürnberg an den Betzenberg gewechselt, der FCK war damals gerade aus der Ersten Bundesliga abgestiegen. Unter Trainer Franco Foda wurde er direkt Kapitän, erzielte in der anschließenden Runde 13 Treffer und erreichte mit seinem Team die Relegationsspiele um den Wiederaufaufstieg, scheiterte aber an der TSG Hoffenheim: „Das war eine Hausnummer zu groß für uns mit Spielern wie Süle und Firminho, der uns fast alleine an die Wand gespielt hat.“

In der Saison darauf hatte er Pech. Eine Knie-OP setzte ihn in der Hinrunde vollkommen schachmatt, in der Rückrunde schaffte er den Anschluss nicht mehr. Nach nur drei Kurzeinsätzen wechselte Bunjaku am Ende dieser Spielzeit nach St. Gallen, leidet aber nach wie vor mit dem FCK mit. „Natürlich tut mir die Situation weh. Schließlich ist Kaiserslautern ein absoluter Traditionsverein mit unfassbar tollen Fans.“

SCHOMMERS: VIKTORIA HAT NOCH MEHR GUTE OFFENSIVSPIELER

Morgen also geht’s gegen Ex-Klub. Dessen Trainer dem Torjäger-Oldie natürlich Respekt entgegenbring, der aber auch daraus verweist, dass bei Viktoria Köln noch mehr Qualität auf dem Platz steht. „Neben Albert Bunjaku haben sie mit Mike Wunderlich, Simon Handle und auch Kevin Holzweiler eine sehr gut besetzte Offensive, die schon 29 Tore erzielt hat.“

Die Viktoria Viktoria Köln war fulminant in die Saison gestartet, gewann von den ersten acht Spielen fünf, ließ unter anderem mit einem 5:2-Sieg bei Mitaufsteiger Bayern München II aufhorchen. Seither zeigt der Trend allerdins nach unten. Seit nunmehr acht Partien ist Viktoria ohne Sieg. Aktuell rangiert sie auf Platz 13 mit 21 Punkten, der FCK, im Moment auf Rang 16, könnte mit einem Sieg an den Kölnern vorbeiziehen.

KARRIERE-SPÄTSTART IST GEGLÜCKT: DER BESTE PICK ALLER ZEITEN

Ob der gelingt? Nach zwei Siegen in Folge sieht Boris Schommers den „Turnaround geschafft“, und er ist zuversichtlich, dass seinen Jungs „wieder ein gutes Spiel gelingt“. Vom dritten Sieg in Folge möchte er dagegen nicht sprechen, nachdem lange genug gefragt worden war, wann dem FCK mal wieder zwei Siege hintereinander gelingen.

In seiner Mannschaft steht aktuell Florian Pick im Fokus. Der 24-Jährige hat in der laufenden Runde bereits zehn Treffer erzielt und drei vorbereitet, setzt dazu immer wieder mit überraschenden Moves Impulse.

Nachdem die Profi-Karriere des in der Jugend als Toptalent gefeierten Wittlichers in den ersten Jahren nur schleppend in Gänge gekommen war, schaffte er in der vergangenen Saison unter Sascha Hildmann den Durchbruch zur Stammkraft im Drittligateam. Jetzt hat er einen weiteren Schub gemacht und dürfte aktuell der FCK-Spieler mit dem höchsten Marktwert sein.

SCHOMMERS: „DU MUSST IHM SEINE FREIHEITEN GEBEN“

„Picki“ dürfe man „in seiner Kreativität nach vorne nicht reglementieren, du musst ihm seine Freiheiten geben“, erklärt Boris Schommers. Seit der Partie gegen Carl Zeiss Jena am 11. Spieltag (3:1) lässt der Trainer den gelernten Flügelspieler zentraler agieren. Pick kommt nun auch versärkt aus der Tiefe oder wechselt die Seiten nach Belieben, das macht ihn noch schwerer ausrechenbar.

Auch mental ist der Tempodribbler gut drauf. „Ich habe versucht, diesen Druck, die Welt allein retten zu müssen, von ihm zu nehmen“, erklärt Schommers. Zudem habe er von ihm gefordert, „im Mannschaftsverbund das Spiel gegen den Ball besser umzusetzen.“

Für die Startformation kann Schommers aus dem Vollen schöpfen. Außer den Langzeitverletzten sind alle fit, auch der zuletzt verletzte zweite Torhüter Avdo Spahic kann seinen Platz auf der Bank wieder einnehmen.

Anlass, die zuletzt erfolgreiche Elf zu ändern, hat Schommers jedoch nicht. Also dürfte sie zunächst wieder so aussehen:

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Text: Eric Scherer

Foto: Daniel Kopatsch/Getty Images