Saubere Sache: Skarlatidis’ Traumtor krönt „dreckigen“ Auswärtssieg

Falls jetzt einer direkt über die Überschrift meckern will: Das mit dem „dreckig“ hat FCK-Trainer Boris Schommers gesagt. Denn eigentlich kam das 4:2 des 1. FC Kaiserslautern bei Viktoria Köln gar nicht so schmutzig zustande. Im Gegenteil: Nicht nur der spektakuläre Schlusstreffer des eingewechselten Simon Skarlatidis, sondern noch etliche Abschlüsse mehr resultierten aus absolut sauberen Aktionen, herausgespielt und erarbeitet von einer Elf, auf deren nächsten Auftritt man sich einfach nur freuen darf. Sogar, dass sie zwischenzeitlich mal wankte, ist verzeihlich, denn dieser Aufsteiger war spielerisch und kämpferisch wesentlich besser eingestellt als die beiden jüngst bezwungenen Gegner.

Und so schön drei Siege in Folge auch sind, abzuheben wäre jetzt fatal – Bodenhaftung bleibt angesagt. Insofern ist es gut, dass die, die Fußball als Fast Food konsumieren, bei ihrem oberflächlichen Blick auf dieses Spiel nichts finden werden, was den aktuellen Hype um Florian Pick befeuert. Denn der 24-Jährige hat diesmal keinen Treffer erzielt und streng genommen auch keinen aufgelegt.

AUCH DIESMAL WIEDER DER GROSSE KLEINE MANN: PICK

Wer jedoch genauer hingeschaut hat, hat erkannt: Pick war auch diesmal wieder der große kleine Mann im Lauterer Spiel.

Er leitete die ersten drei Treffer zum Teil brillant ein und war bei zweien zwar nicht der letzte, jedoch der vorletzte Passgeber. Und vor dem 1:0 raubte ihm ausgerechnet sein Gegenspieler den direkten Assist. Nicht Pick nämlich, sondern Tobias Willers kickte den Ball in den Rückraum des Sechzehners, als der Lauterer über die linke Seite in den Strafraum eingedrungen war und der Abwehrspieler ihm den Ball wegspitzelte.

Der landete landet darauhin vor der Füßen von Janik Bachmann. Worauf der defensive Mittelfeldspieler aus 16 Metern seinen ersten Pflichtspieltreffer für den FCK erzielt.

Dem vorausgegangen waren wiederum zehn Minuten, die den über 4000 mitgereisten Lautrer Fans den Glanz in die Augen trieben. So forsch und doch so geordnet von Anfang an in einem gegnerischen Stadion nach vorne drängend, hatten sie ihre Mannschaft schon lange nicht mehr gesehen.

DER NEUE LAUTERER STIL: BALL BEHAUPTEN, AUCH WENN’S HOLPERT

Nach dem 1:0 staffelte sie sich dann mehr in die eigenen Hälfte, aber das macht man nun mal so. Es folgten nicht nur überzeugende 30 Minuten, den Kölnern glückten einige scharfe Hereingaben, die in der Box allerdings keine Abnehmer fanden.

Kaiserslautern immer mal mit guten Kontern, mal mit langem Ball auf den am Flügel lauernden Thiele, aber auch mit schnellen Direktspiel. Christian Kühlwetter erarbeitet sich eine Einschusschance, indem er nach zwei Pressschlägen in Ballbesitz bleibt.

Das scheint überhaupt ein neues Markenzeichen dieses FCK zu sein. Die Spieler  behaupten den Ball auch, wenn der Gegner mal kurzzeitig den Fuß dran bekommt, weil sie energisch nachsetzen. Dieses Kunststück gelingt auch Pick, bevor er das 2:0 einleitet.

DAS 2:0: SO MACHT FUSSBALL SPASS

Die Lautrer haben auf seiner linken Abwehrseite den Ball behauptet. In der Mitte der eigenen Hälfte nimmt der zurückgefallene Pick das Leder an, dribbelt sich frei, spielt einen Doppelpass mit Kühlwetter, verliert dann den Ball kurz, holt ihn sich aber sofort zurück und bedient den halblinks durchstartenden Thiele. Der schlenzt den Ball mit viel Auge in die Strafraummite, wo Kühlwetter mittlerweile eingetroffen ist. 2:0.

In den ersten Minuten der zweiten Hälfte ist deutlich zu erkennen, dass die Kölner sich noch nicht aufgeben wollen. Doch Lautern behält die Übersicht. Nach 64 Minuten fällt das 3:0: Wieder ist es Pick, der nach einem Ballgewinn den Angriff aus dem Zentrum des Spielfelds einleitet.

Diesmal nimmt Hendrick Zuck die Kugel auf der linken Seite an, fabriziert einen ähnlichen Flankenschlenzer in die Mitte wie zuvor Thiele – und der ist diesmal derjenige, der in der Mitte lauert.

WUNDERLICH MACHT’S NOCHMAL SPANNEND

Direkt danach darf sich Lennart Grill auszeichnen. Er faustet ein 16 Meter-Geschoss von Mike Wunderlich mit einer herrlichen Flugparade über die Latte, mit der „Überhand“ übrigens – Olli Kahn hat bestimmt anerkennend genickt und gelächelt, so er das denn auf irgendeinem Kanal im Bayerischen sah.

In Minute 70 kracht’s dann doch noch. Kevin Holzweiler kann von rechts in den Strafraum flanken, Sven Kreyer überlässt den Abschluss Wunderlich, der markiert den ersten Kölner Treffer. Nun kommt die Viktoria mit Wucht, was sich vor allem in der Personalie Bernard Kyere widerspiegelt. Trainer Pavel Dotchev bringt das 1,90 Meter hohe Muskelpaket, das eigentlich Innenverteidiger gelernt hat, und schickt es direkt in die Spitze.

Der Wechsel zahlt sich aus. André Hainault steigt gegen Kyere hoch und hat irgendwie die Arme zu weit oben, am Kopf seines Gegenspielers. Schiedsrichter Patrick Schwengers pfeift Elfmeter. Zurecht? Na ja – warten wir mal ab, was Schiri-Rezensent Babak Rafati in seiner Kolumne bei Liga 3 online schreibt.

KRUMMER GEHT’S NICHT: SKARLATIDIS BEREITET BALISTIKERN ALPTRÄUME

Viktoria Kapitän Mike Wunderlich verwandelt auch den Strafstoß, und dann sieht es ein paar Minuten lang so aus, als müssten vor Beginn der Nachspielzeit wieder mal Herztropfen geschluckt werden. Ehe es soweit ist, macht der eingewechselte Skarlatidis den Einsatz von Medikamenten überflüssig.

Aus schätzungsweise 40 Metern lässt er einen Ball, den Hainault ihm vor die Füße geköpft hat, einmal aufpoppen und setzt mit dem Außenspann ein krummes Ding ab, das Balistiker wohl zur Verzweiflung bringen würde, müssten sie die Flugbahn nachberechnen. Am Ende landet es jedenfalls unter der Latte im Netz, und mehr wollen Lauterns Spieler und Fans eigentlich auch nicht wissen.

JETZT GEGEN HALLE – KÜHLWETTER MUSS ZUGUCKEN

Der dritte Sieg in Folge ist perfekt, und jetzt kommt am kommenden Samstag, 14 Uhr, der Hallesche FC zum finalen Heimspiel des Jahres auf dem Betzenberg. Wer diese Saison nochmal träumen will, sollte da unbedingt persönlich dabei sein. Denn wenn dieser FCK auch den aktuellen Tabellenzweiten – oder -dritten, falls Ingolstadt sein Spiel heute gewinnt – in die Knie zwingt, sollte Träumen durchaus erlaubt sein.

Auf jeden Fall nur zuschauen wird Kühlwetter, der in Köln seine 5. Gelbe Karte sah. Umso besser, dass sich mit Skarlatidis ein potenzieller Nachrücker so vorteilhaft in Szene zu setzen vermochte.

Text: Eric Scherer

Foto: Jürgen Schwarz / Getty Images