Letztes Heimspiel 2019: Topteam Halle verspricht ein „enges Spiel“

Der 1. FC Kaiserslautern lädt zum letzten Heimspiel des Jahres 2019. Und darf sich den Halleschen FC vornehmen, den aktuellen Tabellenzweiten. Nach drei Siegen in Folge wartet somit noch einmal eine echte Nagelprobe auf das Team von Trainer Boris Schommers – und ein Spiel, das mehr Zuschauer verdient als die 15.507, die bis gestern bereits Tickets hatten. Vor allem taktisch verspricht die Partie interessant zu werden. Die Phrase „Es wird ein enges Spiel“ könnte da mal auf besonders anschauliche Weise zutreffen.

Denn der FCK hat in vergangenen Wochen enorme Fortschritte gemacht, was das Verdichten der Räume in Ballnähe angeht, verschiebt sich auch mal kompakt bis tief in Gegners Hälfte, vor allem, wenn dieser das Leder auf seine Außenverteidigerpositionen schiebt.

Der HFC beherrschte diese Stilmittel bereits in der vergangenen Saison von allen Drittligateams am besten. Kann also gut sein, das sich am Samstag öfter mal 20 Feldspieler auf gerade mal einem Viertel der Spielfläche zusammenziehen.

HALLE KOMMT MIT DER STÄRKSTEN DEFENSIVE DER LIGA

Auch diese Spielzeit mischt der taktisch gut organisierte Gast wieder vorne mit, weist mit nur 15 Gegentreffern nach 16 Spielen die wenigsten im Wettbewerberfeld auf. Zuletzt siegte er zwei Mal hintereinander. Vergangene Woche sogar gegen Tabellenführer MSV Duisburg, durch einen späten Treffer von Terence Boyd, den ehemaligen Dortmunder, Leipziger und Darmstädter, der seit diesem Sommer in Halle kickt und schon neun Mal genetzt hat.

Gegen Duisburg kam Boyd allerdings nur von der Bank. Ob das auch in Lautern der Fall sein wird, lässt Trainer Torsten Ziegner natürlich noch offen.

Im Gegensatz zu seinem Torjäger war sein Coach noch nicht in oberen Spielklassen  aktiv, zumindest nicht als Übungsleiter. Durch seine gute Arbeit in Halle ist der 42-Jährige mittlerweile allerdings in deren Fokus gerückt. Ob es ihn wirklich wegziehen könnte, ist eine andere Frage, denn Ziegner ist ein Muster an Bodenständigkeit.

TORSTEN ZIEGNER: ENTDECKT VON MEYER, INSPIRIERT VON KLOPP

Schon als Spieler kickte er insgesamt neun Profijahre beim FC Carl Zeiss Jena, wo er auch fußballerisch sozialisiert wurde. In die Erste Mannschaft hochgezogen hatte ihn 1994 übrigens ein gewisser Hans Meyer.

2003/2004 gab Ziegner ein kurzes Gastspiel in Mainz, spielte eigentlich nur in der Zweiten Mannschaft, knüpfte dabei auch freundschaftliche Kontakte zu den damaligen Profis Sandro Schwarz und Marco Rose, die heute ebenfalls als Trainer arbeiten. Und geprägt hat ihn in dieser kurzen, aber intensiven Zeit Jürgen Klopp, wie Ziegner unlängst der „Bild“ verriet. Als Trainer coachte er ab 2012 branchenunübliche sechs lange Jahre den FSV Zwickau, bevor 2018 in Halle anheuerte.

Auch diese Spielzeit formiert Ziegner seine Startelf bevorzugt mit einer Dreierkette. Mit dieser siegten sie auch zuletzt gegen Duisburg.

SCHOMMERS MUSS SEINE DREI MAL SIEGREICHE STARTELF ÄNDERN

Boris Schommers konnte zunächst drei Mal auf die gleiche Startelf setzen. Dies wird am Samstag definitiv nicht der Fall sein. Christian Kühlwetter fällt aus, ist nach fünf Gelben Karten für diese Partie gesperrt. Erster Nachrücker wäre normaler Weise Simon Skarlatidis, erst recht nach seinem Hammer-Tor bei Viktoria Köln vergangenen Sonntag. Das streitet Schommers auch nicht ab, schränkt aber ein: „Vielleicht spielen wir auch ein anderes System und setzen auf einen anderen Spieler.“ Sich nicht in die Karten gucken lassen, ist eben alles.

Dazu droht Carlo Sickinger wegen einer Prellung auszufallen. Für ihn wäre wohl Gino Fechner der erste Kandidat zum Nachrücken.

IN KÖLN WAR DER TRAINER NACH DEM 3:0 UNZUFRIEDEN

Der 4:2-Sieg bei Aufsteiger Viktoria Köln hat dem Coach übrigens nicht nur Lobeshymnen entlockt, wie er in der gestrigen PK verriet. Drum hätten ihn die Jungs „ein bisschen komisch“ angeschaut, als er mit ihnen das Spiel aufarbeitete. „Ich war mit unserem Spiel explizit nach dem 3:0 unzufrieden, da haben wir nicht mehr die Aggressivität im Anlaufverhalten gezeigt.“

Gegen Halle wolle er wieder eine konzentrierte Leistung über 90 Minuten sehen. Und die wird auch nötig sein, wenn der Jahresabschluss vor eigenem Publikum gelingen soll.

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Text: Eric Scherer

Foto: Karina Hessland-Wissel/Getty Images

Grafik: meineaufstellung.de