Auf nach München: Gegen Bayern, die nicht „klein“ sind, soll sich der „Höhenflug“, der keiner ist, fortsetzen

Vier Siege in Folge verzeichnet der 1. FC Kaiserslautern, allerdings befindet er sich nicht auf einem „Höhenflug“. So sieht das zumindest Trainer Boris Schommers: „Wir haben lediglich unsere Spur gefunden und befinden uns jetzt in der Mitte des Weges.“ Na, dann dürfen sich über 2000 mitreisenden FCK-Fans wirklich gespannt sein, wie es weitergeht, wenn ihre Elf  am morgigen Samstag, 14 Uhr, auf die Zweite Mannschaft des FC Bayern München trifft. Auch, weil sie Tore verspricht: Die Mannschaft, die auswärts die meisten Tore in der Dritten Liga erzielt hat, gastiert beim Team mit der drittschwächsten Defensive. Erfreuliches hat unser Blog schon heute zu vermelden: Es gibt wieder xG-Grafiken.

Den „FC Bayern München II“ die „kleinen“ Bayern zu nennen, gefällt Boris Schommers gar nicht: „Schauen Sie sich die so genannten kleinen Bayern doch mal genauer an.“ Okay. Machen wir.

FCB II: DER TEUERSTE KADER DER DRITTEN LIGA

Bereits der Blick auf die Marktwerttabelle von transfermarkt.de lässt aufhorchen. Mit einem Spieler-Gesamtwert von 44,60 Millionen Euro rangiert die Zweite Mannschaft des FCB turmhoch über allen Liga-Konkurrenten. Der Eindruck relativiert sich beim zweiten Hinsehen allerdings stark: Der zwölf Millionen Euro schwere Franzose Michael Cuisance ist ebenso verletzt wie der mit vier Millionen Euro veranschlagte Fiete Arp. Nachwuchsmann Alphonso Davies, der 15 Millionen wert sein soll, ist längst in den Profikader aufgerückt.

Doch auch das, was im Grünwalder Stadion morgen voraussichtlich aufläuft, verfügt über „massive, gesunde Qualität“ (Schommers). Der defensive Mittelfeldspieler Sarpeet Singh (18), Zehner Joshua Zirkzee (18) und Flügelspieler Leon Dajaku (20) trainieren bereits regelmäßig mit der Ersten Mannschaft mit. Ebenso der gebürtige Lautrer Oliver Batista-Meier, der bereits im U17-Alter nach München wechselte. Er allerdings wird seit einigen Wochen wieder in der U19 des FCB eingesetzt.

LAUTERN-GEWÄCHS PAUL WILL IST NICHT UNBEDINGT STARTELF-KANDIDAT

Dass die mitgereisten Lautrer Paul Will, den ehemaligen A-Junior des FCK, in München kicken sehen werden, ist dagegen nicht garantiert. Der nunmehr 20-Jährige zählt nicht zu den sicheren Startelfkandidaten, begann in den bisherigen 18 Partien lediglich acht Mal und wurde fünf Mal eingewechselt. Zuletzt, bei der 2:3-Niederlage gegen Duisburg, saß Will 90 Minuten auf der Bank. Übrigens: Im Sommer läuft sein Vertrag beim FCB aus, wär vielleicht ein interessanter Kandidat für eine Rückholaktion.

DER TRAINER HEISST HOENESS, KAM ABER NICHT MIT „VITAMIN B“

 Gecoacht werden die jungen Bayern von Sebastian Hoeneß, Sohn von Dieter, Neffe von Uli Hoeneß. Und wer jetzt denkt, der Mann sei dank „Vitamin B“ zu seinem Job gekommen, irrt gewaltig. Onkel Uli war ausdrücklich gegen seine Verpflichtung, Bayerns NLZ-Leiter und Assistenztrainer Hermann Gerland hat den 37-Jährigen von Leipzig nach München gelotst.

Immerhin hat Uli H. dem Neffen mittlerweile eine Sprachnachricht zukommen lassen, in der ihm mitteilt, dass er seine Arbeit „ganz ordentlich“ erledige, wie die „Süddeutsche“ recherchiert hat. Er ist eben ein Herzensmensch, dieser Uli H.

SCHOMMERS: ALLE SIND AN BORD – KÜHLWETTER ODER SKARLATIDIS?

Boris Schommers kann fürs Spiel wieder aus dem Vollen schöpfen. Die Blessuren, die sich seine Jungs beim aufreibenden 1:0-Sieg gegen den Tabellenzweiten Halle am vergangenen Wochenende zuzogen, seien verheilt. Spannend wird vor allem sein, ob Christian Kühlwetter, der zuletzt seine Gelbsperre absaß, ins „Winning Team“ zurückkehren darf. Sein Stellvertreter Simon Skarlatidis spielte auf der rechten Außenbahn groß auf.

Den „Höhenflug“, der keiner ist, erklärt der Coach so:

„Es ist uns endlich gelungen, der Mannschaft eine Stabilität zu geben, das Gerüst zu finden. Sie hat verstanden, wie wir als Mannschaft gegen den Ball arbeiten müssen. Alle sind wichtig, es geht nur im Kollektiv. Die guten Gegner der Liga müssen sie vom Tor weghalten, schon in der ersten Linie. Und gewisse Schritte nach klaren Prinzipien umsetzen, wenn sie den Ball haben, erst mal das Einfache machen statt das Schwere zu versuchen.“

Das soll voraussichtlich in dieser Formation gelingen.

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HINGESCHAUT: ERSTMALS XG-GRAFIKEN VOM „NEUEN“ FCK

Ausgerechnet, als der FCK vor fünf Wochen seine Siegesserie startete, bekam Sander Ijtsma von „11tegen11“ Lieferschwierigkeiten mit seinen xG-Grafiken. Diese sind nun behoben, so dass wir vom Spiel gegen die Halle nun erstmals Visualisierungen des neuen FCK-Spiels betrachten dürfen.

Die Aufrechnung der qualitativ bewerteten Torchancen weist ein erstaunlich  niedriges Endergebnis von 0.65 : 0.40 aus. Dass das nicht unbedingt was über die Qualität des Spiels aussagt, haben wir bereits in unserem Spielbericht geschrieben.

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Bei der plumpen Zusammenzählung der Torschüsse gewinnt der FCK dagegen ziemlich deutlich mit 15:5, wie der „Pitchplot“ zeigt. Allerdings kreierte der HFC seine wenigen Gelegenheiten wesentlich näher am FCK-Tor.

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Richtig gut anzuschauen die Positions- und Passgrafik. Wie man sieht, hat sich die Passkommunikation in der vordersten Reihe deutlich verbessert. So sieht es also aus, das „Dominieren, Agieren“, das der Trainer fordert. 

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Dass Florian Pick die meisten Toraktionen mitgestaltet hat („most xG-Chain“), überrascht nicht wirklich. Die meisten Pässe hat Philipp Hercher gespielt, auch die meisten „progressiven“ – schön, dass das mal auf diese Weise zum Ausdruck kommt, über Herchers starke Leistungen wird viel zu wenig geredet.

Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der Hallenser. Auch die passten viel, aber auch viel hintenrum.

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Die „Zone 14“ Grafik zeigt: Aus dem Zehnerraum leitet der neue FCK gar nicht so viel ein. Pick, der vom Trainer mit allen Freiheiten ausgestattet ist, orientiert sich nach wie vor lieber über seine angestammte linke Seite, wie auch die Positions- und Passgrafik bestätigt.

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Daraus ergibt sich nahezu zwangsläufig, wo die Lautrer wesentlich lebendiger agieren: in den Halbräumen nämlich.

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Text: Eric Scherer

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Grafiken: 11tegen11 / meineaufstellung.de