Haching oder Lautern? Beide wollen sich drei Punkte an den Christbaum hängen – Vorsicht vor statistischen Trends

Schafft der 1.FC Kaiserslautern zum Jahresabschluss seinen sechsten Sieg in Folge? Das dürfte die Frage sein, die in den meisten Vorberichten gestellt wird, auch wenn sie vorm Spiel eigentlich nur von Propheten beantwortet werden kann. Auf jeden Fall wird es spannend sein zu sehen, ob und wie sich der FCK gegen ein weiteres Topteam der Dritten Liga durchzusetzen vermag. Mit dem Halleschen FC haben die Lautrer vor zwei Wochen das Team geschlagen, das zu den unangenehmsten gehört, wenn es ums kompakte Verschieben gegen den Ball geht. Gegen die SpVgg Unterhaching trifft die Elf von Boris Schommers am morgigen Samstag, 14 Uhr, nun auf eines der anerkannt spielstärksten dieser Klasse. Somit verspricht die Partie noch mal ein echter Hingucker zu werden. Dass der statistische Trend Lautern mittlerweile sogar in die Favoritenrolle drängt, sollte dabei aber besser außer Acht gelassen werden.

Die Hachinger haben von ihren jüngsten fünf Heimspielen nicht eines gewonnen, die Lautrer indes haben zuletzt fünf Mal hintereinander gewonnen, von ihren 35 Saisontreffern 24 auswärts erzielt – und sie haben in der Fremde noch nicht einmal Remis gespielt.

Kaum zu glauben: Solche Zahlen heben den Traditionsverein aus der Pfalz, der vor ein paar Wochen noch seinem endgültigen Ende entgegen zu taumeln schien, nun aufs Favoritenschild, und das, wohlgemerkt, gegen den Tabellenvierten, der punktgleich mit dem Drittplatzierten Braunschweig ist.

Aber Vorsicht: Die Hachinger verweisen zu recht darauf, dass sie gerade in ihren beiden jüngsten Partien wieder zu ihrer gewohnten Spielstärke zurückgefunden haben. Nach einem souveränen 3:0-Sieg in Jena trotzten sie vor Wochenfrist  Tabellenführer Duisburg ein ein 2:2-Unentschieden ab – zuvor hatte der MSV von zehn Saisonspielen acht gewonnen.

Überhaupt haben die Münchner Vorstädter in dieser Spielzeit erst drei Mal verloren. Zwei Mal davon allerdings vor eigenem Publikum.

SCHOMMERS: „HACHING STEHT ZURECHT DA OBEN“

FCK-Trainer Boris Schommers will von solchen Zahlenspielen nichts wissen. „Die stehen völlig zurecht da oben, haben die zweitwenigsten Gegentore der Liga kassiert, machen die stabile Arbeit gegen den Ball und haben vorne zuletzt auch wieder Tore erzielt und den ein oder anderen guten Spieler vorne.“ Und man könne davon ausgehen, dass die Hachinger alles daran setzen, zuhause zu einem positiven Jahresabschluss zu kommen.

Ja, die „guten Spieler vorne“. Über die Qualitäten von Sascha Bigalke haben wir in diesem Blog schon öfter geschrieben. Zudem haben sich die Hachinger im Sommer die Dienste des erfahrenen Dominik Stroh-Engel gesichert, der auf seinen verschiedenen Karriere-Stationen allein in der Dritten Liga schon 59 Tore erzielt und 21 aufgelegt hat. In der abgelaufenen Halbserie hat er allerdings erst vier Mal genetzt.

HAIN LÄUFT NOCH NICHT WIEDER RUND, MARSEILER IST VERLETZT

Stürmer Stephan Hain dagegen, der Torjäger der vergangenen Spielzeit, hat nach langer Verletzung noch nicht wieder sein volles Leistungsvermögen erreicht. Lauterer Fans dürfte er noch immer von dem 0:5-Debakel der Lautrer in Haching vom November 2018 in Erinnerung sein: Mit einem Treffer und einem Assist trug Hain seinerzeit dazu bei, dass diese Partie das Ende des Trainers Michael Frontzeck beim FCK besiegelte.

Aktuell wegen Verletzung nicht mit dabei ist Flügelspieler Luca Marseiler, dem allgemein zugetraut worden war, dass er sich mit seinen nunmehr 22 Jahren in dieser Spielzeit die Meriten für ein Engagement in höheren Klassen verdient. Statt seiner hat sich der gleichaltrige Moritz Heinrich als offensiver Außen profiliert. Ihn holten die Hachinger im Sommer ablösefrei vom Liga-Rivalen Preußen Münster. Heinrich hat bereits sieben Mal getroffen und vier Mal aufgelegt.

HACHINGS TALENTE HEISSEN MANTL UND STIERLIN 

  Als größtes Talent Hachings gilt gegenwärtig der erst 19-jährige Keeper Nico Mantl. Dass die SpVgg  bereits neun Mal zu null spielte, ist nicht zuletzt sein Verdienst. Ein anderes Talent hat im U17-Alter noch in Kaiserslautern gespielt. Niclas Stierlin steht seit Sommer in Haching unter Vertrag, nachdem RB Leipzig ihn nach Vollendung des zweiten A-Juniorenjahrgangs nicht in die Erste Mannschaft hochzog.

In den jüngsten beiden Partien stand Stierlin jeweils in der Startelf. Möglicherweise wird er auch am Samstag an der Seite des Routiniers Dominik Stahl im defensiven Mittelfeld agieren.

LAUTERN: DIE ERFOLGSELF BLEIBT WOHL STEHEN

Und Kaiserslautern? Alles deutet daraufhin, dass die erfolgreiche Starfelf der vergangenen Wochen auch zum Jahresabschluss nicht geändert wird. Aus dem Kader gestrichen werden muss allenfalls Reservist Andri Bjarnason, der sich eine Prellung zugezogen hat.

So dass sich das gewohnte Bild ergibt:

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DIE XG-GRAFIKEN: UND WIEDER PASST HERCHER AM BESTEN „PROGRESSIV“

Zum Abschluss noch der Blick auf xG-Grafiken vom Spiel gegen den FC Bayern II vom vergangenen Wochenende. Die Aufrechnung der qualitativ bewerteten Torchancen in der Timeline weist den FCK als verdienten Sieger des Spiels aus.

2019-12-14 1437527 xG plot Bayern Munich 1 - 3 Kaiserslautern.png

Sie müsste allerdings einen noch höheren Wert als 0.8 ausweisen. Denn neben  Kühlwetters Führungstreffer verursacht lediglich Thieles Schusschance in der 32. Minute verursacht vor der Pause einen Ausschlag nach oben, nicht aber die Torszenen Kühlwetters und Zucks, die nach flachen Zuspielen von Thiele und Hercher in der Mitte knapp verpassten. Anscheinend erkennt Sander Ijtsmas Analyse-Software keine Einschussmöglichkeiten, bei denen es nicht zur finalen Ballberührung kommt.

Der Pitchplot zeigt: Die fetteren Punkte – also die erfolgversprechenderen Einschusspositionen – verzeichnet der FCK, und zwar in der Box. Bei der plumpen Aufrechnung der Torschüsse liegen die Bayern sogar vorne, was einmal mehr beweist, dass die xG-Betrachtung aussagekräftiger ist.

2019-12-14 Pitch plot Bayern Munich 1 - 3 Kaiserslautern.png

Die Positions- und Passgrafik zeigt: Nach vorne getragen wurden die Bälle diesmal eindeutig über die rechte Seite. Kühlwetter war an den meisten Torszenen beteiligt, wen wundert’s, zwei Buden hat er schließlich selbst gemacht.

2019-12-14 Kaiserslautern Passing plot Bayern Munich - Kaiserslautern.png

Aber: Zum wiederholten Male ist Linksverteidiger Hercher als der Primus des „Progressive Passing“ ausgewiesen. Der Junge sollte einfach öfter mal gelobt werden.

Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der jungen Bayern. Auch da zirkuliert der Ball recht gut, überhaupt waren sie stärker, als ihr Tabellenstand es aussagt. Boris Schommers war’s sogar deutlich zu viel Ballbesitz, den die Münchner insbesondere in der zweiten Hälfte verzeichneten. Dies sei auch einer der Hauptpunkte in seiner Spielanalyse der vergangenen Woche gewesen, wie Boris Schommers in der PK zum Haching-Spiel verriet.

2019-12-14 Bayern Munich Passing plot Bayern Munich - Kaiserslautern.png

Auf die Veröffentlichung der „Zone 14“-Grafik und die Visualisierung der Halbräume verzichten wir diesmal. Die würden nur für Verwirrung stiften, da sie insbesondere die Torabschlüsse nicht korrekt wiedergeben. Da hat sich anscheinend gezeigt, dass Sander Ijtsma in der Dritten Liga nicht immer auf zuverlässiges Grundlagenmaterial zugreifen kann. Ein Grund mehr, darauf zu hoffen, dass Lautern bald wieder Zweite Liga spielt. In den beiden oberen deutschen Spielklassen erhebt nämlich „Opta“ die Analysedaten für die DFL – und aus denen lassen sich wesentlich stimmigere Grafiken erstellen.

Foto: Sebastian Widmann/Getty Images

Text: Eric Scherer