Remis zum Jahresabschluss – In der Nachspielzeit hätten beinahe noch die Glocken geläutet 

Der 1. FC Kaiserslautern hat das Spieljahr 2019 nach fünf Siegen in Folge mit einem Remis abgeschlossen. Bei der SpVgg Unterhaching mussten die  Lautrer erstmals seit dem Start ihrer Erfolgsserie einen frühen Rückstand hinnehmen, und lange Zeit sah es sp aus, als würde der Gegner mit der Führung im Rücken all das richtig machen, was in den Wochen zuvor der FCK richtig gemacht hatte. Nach dem Ausgleich jedoch fand die Elf von Boris Schommers in die Partie zurück und hätte in einer turbulenten Schlussphase ums Haar noch den Siegtreffer erzielt. Insgesamt kein krönender, aber doch ordentlicher Jahresabschluss, nach dem sich mit großer Zuversicht ins Jahr 2020  starten lässt.

Das Rückspiel gegen Haching endete somit mit dem gleichen Ergebnis wie die Begegnung der Hinrunde – und doch sind beide Partien recht unterschiedlich zu bewerten. Im Juli am Betzenberg waren es die Lautrer, die früh in Führung gingen und   anschließend den Ausgleich kassierten. Und in der zweiten Hälfte waren sie, das lässt sich nicht anders sagen, einer der anerkannt spielstärksten Mannschaften der Liga fußballerisch recht deutlich unterlegen. 

HACHING MUSSTE KURZFRISTIG UMSTELLEN

Diesmal allerdings war zumindest nach der Pause kein Niveauunterschied mehr zu erkennen. Wobei angemerkt werden muss, dass Haching nicht seine gewohnte spielerische Qualität auf den Platz brachte, was an zahlreichen Umstellungen lag, die Trainer Claus Schromm kurzfristig vornehmen musste. Die gravierendste: Mit Sascha Bigalke war der Kopf des Teams ausgefallen. Für ihn kam Jim-Patrick Müller.

Zudem blieb Dominik Stroh-Engel, zuletzt Stammkraft im Sturmzentrum, zunächst auf der Bank, für ihn lief der Torjäger der vergangenen Saison, Stephan Hain, auf. Der zweite Stürmer Felix Schröter musste wegen muskulärer Probleme ebenfalls passen, ihn ersetzte Lucas Hufnagel. Außerdem fiel der junge Keeper Nico Mantl kurzfristig aus, für ihn rückte Steve Kroll ins Tor.

FRÜHER RÜCKSTAND – DA KLAPPTE ERST EINMAL NICHT VIEL

Für Lautern galt es, erstmals seit langer Zeit wieder mit einem frühen Rückstand klarzukommen – und das sah über weite Strecken der ersten Hälfte gar nicht gut aus.

In Minute 7 lässt Hachings Rechtsverteidiger Alexander Winkler einen Freistoßball aus dem linken Halbfeld aufs lange Eck der Lautrer schweben. Janik Backmann verfolgt den einlaufenden Innenverteidiger Christoph Greger nicht – und schon steht’s 0:1. 

Schade. Denn in den sieben Minuten zuvor hatten die Gäste ihren Gegner das geballte Selbstbewusstsein spüren lassen, das sie bei ihren Siegen der jüngsten Vergangenheit angehäuft haben. Als dem FCK zugeneigter Betrachter hatte man bereits dem ersten Treffer des eigenen Teams entgegen gesehen.

HACHING HAT ZUNÄCHST ALLES IM GRIFF – NUR THIELE HAT DIE CHANCE

Jetzt aber sind es die Gastgeber, die nach ihrer frühen Führung erst einmal alles richtig machen. Sie bleiben cool, selbst wenn Lautern ins Angriffspressing geht, befreien sich spielerisch genauso stark, wie es auch dem FCK mit einer Führung im Rücken immer wieder gelungen ist. Und mit zunehmender Spieldauer halten sie den Gegner immer weiter vom eigenen Tor weg. Lautern findet gar nicht in Spiel.

Dennoch bietet sich in Minute 35 die erste große Chance, dem Spiel eine Wende zu geben. Über die linke Seite leiten die Lautrer endlich mal eine ihrer mittlerweile gefürchteten Umschaltsituationen ein, Christian Kühlwetter setzt zu einem langen Flankenlauf an, passt im exakt richtigen Moment auf den mitgelaufenen Timmy Thiele in die Mitte – und der vergibt eine sogenannte „Hundertprozentige“. Das wär’s gewesen.

HALBZEIT ZWEI: FCK KOMMT ZUM SCHNELLEN AUSGLEICH 

In die zweiten Hälfte greifen die Lautrer entschlossener nach Spielanteilen. Und werden schon in Minute 51 belohnt. Der in der Offensive mit allen Freiheiten ausgestattete Florian Pick schickt mit einem vertikalen Pass aus dem Zehnerraum den halblinks durchstartenden Hendrick Zuck auf die Reise. 

Der spielt wieder eine von diese flachen, leicht diagonalen Flanken in die Tormitte, die so typisch geworden sind fürs neue Lautrer Spiel. Dankbarer Abnehmer ist einmal mehr Kühlwetter, der seinen sechsten Treffer zu den Lautrer Erfolgswochen beisteuert – zuvor hatte er lediglich beim 5:3-Sieg in Zwickau mal getroffen.

STELLUNGSKRIEG MIT WECHSELN – KEIN SKARLATIDIS DIESMAL

Anschließend folgt eine Art Stellungskrieg, der über eine halbe Stunde andauert. Beide Teams ringen mit Druck und Konzentration um die erneute Chance zur Führung, wobei keinem  wirklich Spektakuläres gelingen will. Ausnahme: In Munte 61 kommt Thiele nach einer Ecke hinterm langen Pfosten frei zum Schuss, verzieht aber.

Boris Schommers bringt Theo Bergmann für Carlo Sickinger, Lucas Röser für Thiele, Gino Fechner für Philipp Hercher. Also kein Simon Skarlatidis diesmal, der zuletzt nach seiner Einwechslung immer getroffen hatte.

TURBULENTE NACHSPIELZEIT

Und dennoch: In der Nachspielzeit hätte sich für den FCK beinahe alles noch zum Guten gewendet. Kühlwetter kann eine abgefälschte Pick-Flanke aufnehmen und aus halbrechter Position auf den kurzen Pfosten halten, doch Steve Kroll lenkt den Ball mit den Fingerspitzen gerade noch zur Ecke. Die wiederum bietet dem aufgerückten Kevin Kraus die Gelegenheit zu einem Volleyschuss, doch auch der misslingt.

Zuguterletzt zieht der eingewechselte Hachinger Maximilian Krauß nochmal einen mächtigen Spurt an, den Zuck nur mit einem taktischen Foul zu stoppen vermag, das zurecht mit Gelb geahndet wird.

Abpfiff. Nach drei Minuten, die den Adrenalinspiegel nochmal so richtig in die Höhe peitschten, darf es nun Weihnachten werden.

Text: Eric Scherer

Foto: Jürgen Schwarz/Getty Images