Der FCK hat bereits Betriebstemperatur für „Zwanzig-Zwanzig“ – doch schon der Februar wird heiß!

Drei Testspiele, drei Siege mit einem Torverhältnis von 12:1 herausgeschossen. Keine dramatischen Verletzungsausfälle. Zwei sinnvolle Kaderergänzungen integriert, auch wenn diese wohl nicht direkt Startelfkandidaten sind. Der 1.FC Kaiserslautern geht nach dem erfolgreichen Jahresabschluss 2019 bestens präpariert ins Spieljahr 2020. Gründe genug, sich aufs erste Heimspiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach am kommenden Montag, 19 Uhr, zu freuen. Gelassen umzugehen ist dagegen mit ersten Wechselgerüchten zu FCK-Talenten – sowie mit der erneuten Hängepartie zwischen FCK und Stadt um die Stadionpacht fürs kommende Spieljahr.

Neben den nackten Resultaten ist unter anderem festzuhalten: In den Tests fielen endlich mal wieder Treffer nach Standardsituationen und beim 5:0 gegen MTK Budapest sogar herausgespielte Kopfballtore – dergleichen hat der FCK in den Pflichtspielen des gesamten Halbjahres davor nur zwei erzielt.

STARTELF GEGEN FKP BEGINNT WOHL AUCH GEGEN GROSSASPACH

Im finalen Testspiel einer Vorbereitung beginnt in der Regel die Elf, die auch zur Premiere aufläuft – auch wenn die Trainer, so ihnen dies vorgehalten wird, sofort entgegnen, dass sie selbstverständlich noch letzte Trainingseindrücke abwarten wollen und niemand vor kurzfristigen verletzungsbedingten Umstellungen gefeit ist.

Also läuft es gegen Großaspach auf die Startelf hinaus, mit der Lautern gegen die FK Pirmasens begann: Grill – Schad, Kraus, Hainault, Hercher – Kühlwetter, Bachmann, Sickinger, Zuck – Thiele, Pick.

Wundert das? Nö. Das ist die Stammbesetzung, die aus den finalen sechs Spielen des Jahres 2019 immerhin 16 von 18 möglichen Punkten holte. Never change a winning team.

WECHSEL DEUTEN AUF VERSCHIEBUNGEN IM RANKING DER NACHRÜCKER 

Weitere Aufschlüsse boten die Wechsel im Lauf der Partie gegen den FKP. Während FCK-Trainer Boris Schommers in den ersten beiden Testspielen gegen den FC Aarau (4:1) und MTK Budapest (5:0) zur Pause jeweils fast komplett durchwechselte, kamen gegen Pirmasens nach 45 Minuten nur vier Akteure: Simon Skarlatidis, Lucas Röser sowie die Neuzugänge Alexander Nandzik und Hikmet Ciftci.

Der Trainer würde zwar auch das wohl mit einem „nicht unbedingt“ kommentieren, aber wir behaupten es dennoch: Das dürften in den nächsten Partien die ersten Nachrücker sein.

Im Klartext: Skarlatidis stünde für die offensiven Flügelpositionen bereit, oder aber als offensivere Variante für einen der beiden zentralen Mittelfeldspieler. Lucas Röser hat sich mit seinen insgesamt drei Treffern Test als erste Alternative im Sturm etabliert. Er könnte auch den Strafraumstürmer geben, der dem FCK-Team zuletzt vor allem in Heimspielen fehlte. Dass Timmy Thiele, der Mann für die langen Wege, in Heimspielen dieser Saison noch nicht aus dem Spiel heraus getroffen hat, ist kein Zufall.

Mitbewerber Andri Runar Bjanarson dagegen fehlte gegen Pirmasens erneut leicht angeschlagen. Der Isländer kommt in der Pfalz einfach nicht in die Gänge. 

Alex Nandzik könnte für Philipp Hercher die linke Außenverteidigerposition übernehmen. Hercher wiederum könnte auch nach rechts rücken, wenn Dominik Schad ausfällt.

Und Hikmet Ciftci ist als erster Nachrücker fürs Mittelfeldduo Bachmann/Sickinger vorgesehen. Was bedeutet: Die Mitbewerber Theo Bergmann und Manfred Starke sind im Ranking wieder ein Stück nach hinten gerutscht. Aber so läuft der Kampf um Kaderplätze nun mal.

KEINE ZUKUNFT FÜR STERNBERG, HEMLEIN – UND MATUWILA

Andere sind noch schlimmer dran: Neben den ausgemusterten Janek Sternberg und Christoph Hemlein war auch José-Junior Matuwila im Trainingslager in Belek nicht mehr dabei. Unter Schommers’ Vorgänger Sascha Hildmann war der Innenverteidiger noch gesetzt. 

Hildmann coacht mittlerweile Preußen Münster und soll bereits seine Fühler nach Matuwila ausgestreckt haben, an Sternberg soll Halle interessiert sein. Mal sehen, was sich im Wintertransferfenster da noch tut.

GERÜCHTE UM GRILL: COOL BLEIBEN

Apropos Transfergerüchte: Der „kicker“ schreibt von einem Interesse Bayer Leverkusens an FCK-Keeper Lennart Grill.

Statt dieses Gerücht zu bewerten, halten wir lieber fest: Es wird nicht das letzte dieser Art sein, das die FCK-Berichterstattung in den nächsten Wochen begleiten wird. Es wird sie auch zu Florian Pick, Dominik Schad, Carlo Sickinger und Christian Kühlwetter geben. Der FCK hat in seinen Reihen nun mal einige Spieler mit Entwicklungspotenzial, die nun für höherklassigere und finanzstärkere Vereine interessant geworden sind.

Es wird daher auch Schlagzeilen geben wie „Lautern droht der Ausverkauf“, und vielleicht wird ein FCK-Verantwortlicher den ein oder anderen Profi mal für „unverkäuflich“ erklären.

IMMER DRAN DENKEN: „UNVERKÄUFLICH“ GIBT ES NICHT

Dazu sei gesagt: Fatal wäre es lediglich, wenn Lautern Spieler verkaufen müsste, um Lizenz und Budget für die kommende Spielzeit zu realisieren. Gelingt es der neuen Vereinsführung jedoch, die nächste Spielzeit mit neuen Sponsoren und Investoren durchzufinanzieren, bestimmt sie die Preise für ihre umworbenen Profis. 

Die berühmten „Schmerzgrenzen“ existieren allerdings für jeden, „unverkäuflich“ gibt es nicht. Jeder Profiklub verkauft seine Besten bei einem entsprechenden Angebot, wobei bei einem Drittligisten die „Schmerzgrenze“ leider nun mal niedriger anzusetzen ist als bei einem Erstligisten. Allerdings: Steht der FCK bis zum Sommer auf wirtschaftlich gesunden Beinen, könnte er mit den Ablöseforderungen für seine aktuellen Talente neue Maßstäbe setzen. Für Zweitligisten wären Pick und Co. dann kaum erschwinglich, und auch der ein oder andere interessierte Erstligist müsste abwinken.

Von daher ist Gelassenheit angesagt.

AKTIENANTEILE FÜR DIE STADT UND „KAISERKARREE“: NICHTS PRAKTISCHES

Das gilt auch für die aktuelle Diskussion mit der Stadt um die Stadionpacht für die kommenden Spielzeiten. Dass die Stadtratssitzung am vergangenen Montag noch keine Entscheidung in dieser Frage brachte, überrascht nicht. Die wird wohl erst am 3. Februar fallen, und der Stadt wird nichts anderes übrig bleiben, als dem FCK einen tragbaren Kompromiss anzubieten.

Die Idee von Lauterns Oberbürgermeister Klaus Weichel, der FCK solle der Stadt gegebenenfalls Aktienanteile als Wertausgleich anbieten, erscheint zunächst mal nachvollziehbar. Kollege Moritz Kreilinger hat im „kicker“ allerdings bereits die Krux daran aufgezeigt: Der FCK kann ja nur 49 Prozent seiner Anteile verkaufen. Wenn die Hälfte davon die Stadt beansprucht, nur damit im Fritz-Walter-Stadion gespielt werden darf, wie soll der FCK dann noch Kapital generieren, um sich sportlich weiterzuentwickeln?

Mehr Ablenkung als echte Perspektive scheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch das neue Konzept vom „KaiserKarree“ zu bieten, mit dem die Stadt in der besagten Sitzung plötzlich in bestem PR-Sprech auftrumpfte – heißt es nun tatsächlich „Tradition braucht Zukunft“ oder ist es nicht vielleicht doch eher umgekehrt? 

Auch dazu hat Kollege Kreilinger bereits das Passende gesagt: Die Flächen, die nun wirtschaftlich genutzt werden sollen, liegen schon seit 15 Jahren brach – ausgerechnet jetzt wollen und sollen sie sich gewinnbringend versilbern lassen?

VIER PUNKTE SIND MACHBAR – ABER AUCH DIE ANDEREN SIND STARK

  Konzentrieren wir uns lieber auf das Sportliche: Vier Punkte sind es noch bis Relegationsrang 3, über den sich eventuell der Aufstieg und der Start in eine auch wirtschaftliche rosigere Zukunft verwirklichen ließe – das klingt zunächst mal „machbar“, erst recht nach den exzellenten Ergebnissen der zurückliegenden Wochen.

Es muss aber auch konstatiert werden: Einige der – noch – vor Lautern platzierten Teams sind ebenfalls gut drauf. Wir haben mal mit Hilfe des entsprechenden Tools von „transfermarkt.de“ eine „Formtabelle“ erstellt, die nur die jüngsten sechs Ligaspiele berücksichtigt. Klar, dass der FCK da Erster ist, aber um Beweihräucherung geht’s hier nicht, sondern darum zu zeigen, dass auch die anderen stark sind.

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Wir sehen: Die Waldhöfer haben in den jüngsten sechs Spielen nur einmal mehr Unentschieden gespielt als Lautern und auch nur vier Gegentreffer kassiert. Der Aufsteiger hat eine blendende Hinrunde gespielt, nur drei Mal verloren, und das, obwohl er zeitweise schwer von Verletzungspech gebeutelt war. Jetzt kehrt Torjäger Valmir Sulejmani zurück, der seit dem 7. Spieltag ausgefallen war. Also: Obacht vor Mannheim!

Auch der FC Ingolstadt blieb in dieser Zeit ungeschlagen – und liegt stolze acht Punkte vor Lautern. Torsten Lieberknechts Duisburger gar zehn, und die haben von den jüngsten sechs Spielen nur eines verloren.

So vehement wie dieses Jahr haben übrigens schon lange keine Zweitligaabsteiger mehr den direkten Wiederaufstieg angepeilt. Der letzte Klub, dem dieses Kunststück gelang, war 2016 – der MSV Duisburg.

FRAGEZEICHEN VOR BRAUNSCHWEIG – JETZT KOMMT EIN HEISSER FEBRUAR

Noch nicht richtig einschätzen lässt sich Eintracht Braunschweig, das ebenfalls noch vier Punkte vor Lautern liegt. Der neue Trainer Marco Antwerpen ist erst seit fünf Spielen im Amt, hat noch nicht überragend gepunktet, aber: Auch Boris Schommers hat sechs Wochen gebraucht, um den FCK auf Kurs zu bringen. Jetzt hat Antwerpen eine komplette Vorbereitung mit seinem neuen Team absolviert, aus Karlsruhe den aufs Abstellgleis geratenen Marvin Pourie geholt.

Im Sinkflug befanden sich dagegen zuletzt der Hallesche FC und die SpVgg Unterhaching. Die sollten für den FCK zu packen sein – sofern sich die jüngsten Trends fortsetzen.

Auf jeden Fall versprechen schon die nächsten Wochen äußerst spannend zu werden. Bereits am 1. Februar geht’s nach Ingolstadt, am 15. Februar nach Braunschweig und am 29. Februar zum Derby nach Mannheim. Wenn wir nicht überzeugt wären, dass es keine Sechs-Punkte-Spiele gibt – wir könnten uns glatt hinreißen lassen, die beliebte Phrase auch mal zu benutzen!

Text: Eric Scherer

Foto: Jürgen Schwarz/Getty Images

Grafik: transfermarkt.de