Auf nach Ingolstadt: Schommers hat die Wahl zwischen „fünfplus“ Stürmern – treffen müsste nur einer

„Wir haben kein Problem, Tore zu schießen. Wir haben lediglich in einem Spiel mal keines geschossen.“ Als Trainer eines 1. FC Kaiserslautern muss man schon mal energischer werden, um sich nach einem Spiel wie dem 0:0 am vergangenen Montag gegen die SG Sonnenhof-Großaspach keine chronische Abschlussschwäche einreden zu lassen. Oder auch, „Schwierigkeiten, leichte Tore zu machen“, wie es ein Medienvertreter formulierte. Auch wenn unsere xG-Grafiken belegen, dass der FCK haushoch hätte gewinnen müssen. Chance zur Wiedergutmachung bietet sich jedoch schon am morgigen Samstag, um 14 Uhr. Dies allerdings auf schwierigem Terrain: Der Tabellenzweite FC Ingolstadt ist seit zwölf Spielen ungeschlagen.

Auf jeden Fall seien zuletzt im Training intensiv Torabschlüsse geübt worden, wie FCK-Trainer Boris Schommers berichtete. Und Timmy Thiele hätte von vier Chancen „vier gemacht“, auch aus der Position, aus der gegen Großaspach kurz vor Schluss freistehend vergab. „Da hat er sich selbst am meisten drüber geärgert“, versichert sein Coach.

Thiele war gegen die SGS übrigens nur von der Bank gekommen, nach dem er in den neun Spielen zuvor stets in der Startelf stand. Welches Schicksal ihm am Samstag blüht, gibt Schommers wie immer vorab nicht bekannt. Was für ihn spricht: Thiele hat seine bislang sieben Saisontreffer alle auswärts erzielt. Gegen ihn: Die Konkurrenz im Kader ist stark, es gibt laut Schommers „fünfplus“ Stürmer, die allesamt die Qualität hätten, sofort in die Startelf zu rücken.

KOMMT DER MATCHWINNER VON DER BANK –  ODER VON DER TRIBÜNE? 

Auch ein Sprung von der Tribüne in die erste Elf sei denkbar – so der betroffene Spieler „in den Matchplan passt und sich im Training nicht hängenließ“. Das wird vor allem Andri Runar Bjanarson gerne hören, der unter den „fünfplus“ Stürmern derjenige ist, der gegen Sonnenhof-Großaspach nicht einmal im 18er Kader stand.

In den Matchplan freilich lässt sich Schommers ebenso wenig gucken. Behält er das zuletzt praktizierte 4-3-3 mit dem sehr fluid rochierenden Dreier-Sturm bei, wäre Bjanarson freilich eher keine Alternative. Aber: Er habe mittlerweile ein Team geformt, dass sich nicht nur auf den Gegner ein-, sondern durchaus auch mal überraschend umstellen könne, so der Trainer. Also könnte doch ein Spieler auflaufen, über dessen Nominierung sich hinterher alle wundern.

FCI ZULETZT STARK – BEINAHE HÄTTE ER DIE ZEBRAS GESCHLAGEN

Was genau Schommers gegen Ingolstadt einfällt, wird auf jeden Fall spannend sein zu beobachten. Ingolstadts Spielanlage ist um einiges anders als die der SGS. Jeff Saibenes Teams, das war auch in seiner Bielefelder Zeit zu sehen, agieren in der Regel äußerst laufintensiv und mit hohem Pressing. Dass die Ingolstädter mit 43 Treffern bislang die stärkste Offensive der Liga stellen, spricht für sich. Erst 24 Gegentreffer stellen den drittbesten Wert im Wettbewerb dar.

Vor Wochenfrist hatte der seit zwölf Partien ungeschlagene FCI sogar Tabellenführer Duisburg am Kanthaken. Den Zebras glückte der Ausgleich zum 1:1 erst in der 86. Minute per Elfmeter. Saibene operierte in diesem Spitzenspiel erneut in einem 4-4-2 mit Mittelfeldraute. Das hatte er auch zuvor schon beim 5:1 zum Jahresabschluss über Jena getan. Damals agierte Maximilian Wolfram als Zehner hinter den Spitzen, zuletzt übernahm der Kanadier Caniggia Elva diesen Part – und erntete noch mehr Lob.

„Es wird ein tabellarisch wichtiges Spiel“, wiegelt Boris Schommers die Frage ab, ob dies einmal mehr eines dieser mysteriösen „Sechs-Punkte-Spiele“ sein könnte. Schon klar: Siegt der FCI, steht er bereits elf Punkte vor dem FCK – das wäre nach 22 von 38 Spielen ein ziemliches Pfund. Siegt der FCK, verkürzte sich der Abstand auf lediglich fünf Zähler, also auf so etwas wie Schlagdistanz. Dennoch: Auch in diesem Spiel sind nur drei Punkte zu vergeben. Basta.

DIE XG-GRAFIKEN: SIEG GEGEN SGS ZU 76 PROZENT WAHRSCHEINLICH

Zum Schluss noch die xG-Grafiken vom Spiel gegen Großaspach. Die Timeline, die die qualitativ bewerteten Torchancen aneinanderreiht, führt diesmal in schon schwindelerregende Höhen. Sander Ijtsma zufolge wäre ein FCK-Sieg zu 76 Prozent wahrscheinlich gewesen. 

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Das ändert nichts dran, dass Stefan Leists Einschussmöglichkeit für die SGS in der 86. Minute wirklich knackig war. Und an schlimmen Tagen, wie sie die der FCK in den vergangenen Jahren öfter erlebt hat, hätte er am Ende auch mit leeren Händen dastehen können.

Der „Pitchplot“ wiederum belegt, dass der FCK seine Einschussgelegenheiten da generierte, wo sie generiert werden sollen. In der Box nämlich. Kernige Schüsse aus der Distanz lassen oft die Zuschauerherzen höher schlagen und die Torhüter glänzen, gehen jedoch weitaus seltener rein, als der subjektive Fußballbetrachter vermutet. Insofern gibt’s am Offensivspiel der Lauterer derzeit nichts zu meckern – außer natürlich, dass gegen Großaspach nichts reinging.

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Und ein Wert wie 0.99 bei den „Set Pieces“, also bei ruhenden Bällen, das kann sich endlich auch mal sehen lassen.

Die Positions- und Passgrafik zeigt, wie beweglich vor allem Zuck, Pick und Kühlwetter unterwegs, leider hatten sich nicht so viele gelungene Aktionen wie in den sechs Spielen vor der Winterpause. Die meisten Pässe hat erneut Philipp Hercher gespielt, doch auch er war diesmal leider nicht so effektiv wie sonst.

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Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der SGS. Da lief, wen wundert’s, viel hintenrum.

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Text: Eric Scherer

Foto: Alexander Scheuber/Getty Images

Grafiken: 11tegen11