Ingolstadt war gestern, jetzt gilt: „Mit weißen Augen Knallgas geben“

Nur eine schlaflose Nacht hat die unglückliche Niederlage vom Samstag FCK-Trainer Boris Schommers bereitet. Seit Sonntag freue er sich bereits auf die DFB-Pokalpartie gegen Erstligist Fortuna Düsseldorf am Dienstag, 18.30 Uhr, versicherte der Coach  auf der Presskonferenz zum Spiel. Auch die Jungs „brennen“ bereits. Na, dann ist ja alles angerichtet für einen feurigen Pokalfight auf Betzenberg, vor möglicher Weise 35.000 Zuschauern. Heißes Herz und kühlen Kopf zu fordern, ist dem Trainer aber zu altbacken, er will lieber „mit weißen Augen Knallgas geben.“ Denn: „Wir sind Außenseiter, können befreit ins Spiel gehen. Wir können nur gewinnen.“

Dass das 1:2 von Ingolstadt, welches sein Team erst in der Schlusssekunde ereilte, weiter in den Köpfen seiner Spieler nagt, glaubt der Coach nicht. Im Gegenteil: Auch aus dieser Niederlage könnten seine Jungs mit gestärktem Selbstbewusstsein herausgehen, denn sie hätten ein sehr gutes Auswärtsspiel gemacht.

Verletzungsbedingt gibt es gegenüber der Startformation von Ingolstadt zwar nichts zu ändern, doch werde es dennoch zu einigen Umbesetzungen kommen, so Schommers. Diese seien zum einen dem „Matchplan“ geschuldet, der gegen Düsseldorf ein anderer sei als gegen Ingolstadt. Und zum anderen müsse er  auch der Tatsache Rechnung tragen, dass es das zweite von drei Spielen sei, welches es innerhalb von sieben Tagen zu bestreiten gebe.

WECHSELSPIELE? SIND VOR ALLEM VORNE DENKBAR

Spannend wird vor allem die Besetzung der Offensive werden. Denn da lief es mit der Besetzung Röser-Pick-Kühlwetter in Ingolstadt nicht rund, auch wenn der Trainer in der zuletzt schwächelnden Trefferausbeute kein generelles Problem sieht. Andererseits stehen Alternativen bereit: Timmy Thiele wurde in Ingolstadt eingewechselt und traf, der zuletzt starke Simon Skarladitis musste 90 Minuten auf der Bank schmoren und Andri Runar Bjanarson stand nicht einmal im Kader. 

Bei diesem Pokalduell kommt übrigens der Video-Assistent zum Einsatz – für den Erstligisten aus Düsseldorf eine längst vertraute Erfahrung, für den Drittligisten aus Lautern ungewohnt. „Was ich davon halte, können Sie mich nach dem Spiel fragen“, gibt sich Boris Schommers in diesem Punkt diplomatisch. 

Immer auf dem Schirm haben muss man im Pokal natürlich auch ein mögliches Elfmeterschießen. „Und da vertraue ich den Jungs voll und ganz“, so der Trainer. In der vergangenen Runde haben sie immerhin Zweitligist Nürnberg im Penalty-Stechen aus dem Wettbewerb bugsiert.

FORTUNA KOMMT OHNE FUNKEL, ABER MIT RÖSLER

Nach der Pokal-Auslosung Ende 2019 hatten sich viele Lautrer gefreut, Friedhelm Funkel mal wieder auf dem Betzenberg begrüßen zu können. Der ehemalige Spieler aus Lauterns erster Kalli Feldkamp-Ära war als Trainer zwar nie in der Pfalz engagiert, hat aber immer wieder seine tiefe Verbundenheit mit dem Verein zum Ausdruck gebracht – zuletzt beim 3:1-Auswärtssieg seiner Fortuna im Januar 2018, als er seinen Auftritt bei der anschließenden Pressekonferenz mit einem flammenden Appell an alle FCK’ler schloss, im Abstiegskampf nicht aufzugeben und weiter zusammenzustehen.

Aber wie es halt so geht im Fußball: Vergangene Woche wurde der alte Trainerfuchs, der mit der Fortuna den sechsten Aufstieg seiner Karriere feierte und ihr nach ihrer Rückkehr ein famoses  erstes Jahr bescherte, von seinen Aufgaben verbunden. Ältere FCK-Fans werden allerdings auch Funkels Nachfolger wiederkennen – und ihn mit Wohlwollen begrüßen: Uwe Rösler kickte einst unter Otto Rehhagel beim FCK, zwar nur für eine Saison lang, ist aus dieser kurzen Zeit aber als offener, sympathischer Typ in Erinnerung geblieben.

Als Trainer stellt der 51-Jährige ein kleines Kuriosum in der Bundesliga dar. Obwohl der gebürtige Altenburger, der unter anderem in Magdeburg, Dresden und Nürnberg aktiv war, ehe er bei Manchester City zur Legende wurde, bereits seit 2007 als Cheftrainer arbeitet, hat er noch in Deutschland gecoacht, sich stattdessen in England und Norwegen einen Namen gemacht. Insofern Respekt vor der Düsseldorfer Vereinsführung, ihn mitten im Abstiegskampf zu installieren. In solchen Situationen wird für einen potenziellen Retter meist „Ligaerfahrung“ als oberstes Gebot ausgerufen.

WIEDERSEHEN MIT KEVIN STÖGER IST EBENFALLS DENKBAR

Am Samstag gegen die Frankfurter Eintracht wäre Rösler ums Haar ein Traumeinstand geglückt. Den Ausgleichstreffer zum 1:1 kassierte sein Team erst in der dritten Minute der Nachspielzeit. Rösler hatte zu seinem Debüt ein 3-5-2 als Grundordnung gewählt, auch den lange Zeit verletzten Kevin Stöger wieder in die Startelf gestellt. 

Stöger dürfte auch Lautern-Fans noch ein Begriff sein. Zwischen 2013 und 2015 glückte ihm als Leihgabe des VfB Stuttgart auf dem Betzenberg der Durchbruch im bezahlten Fußball. 2018/2019, in der ersten Bundesligasaison der Düsseldorfer, spielte Stöger zeitweise überragend. Taktik-Experte Tobias Escher feierte ihn bei „Spiegel online“ mal als den besten Bundesligaspieler, „den kaum jemand kennt“. In Lautern kennt man ihn schon…

DIE XG-GRAFIKEN VON INGOLSTADT: HABEN WIR ES DOCH GEWUSST…

Zum Schluss noch die xG-Grafiken vom 1:2 gegen die SpVgg Unterhaching. Und sei es nur, um noch einmal zu bestätigen, was wir alle schon wussten: Es ist so schrecklich ungerecht, dieses Spiel verloren zu haben. 

Die Aneinanderreihung der qualitativ bewerteten Torgelegenheiten zeigt: Lautern hatte fast über die gesamte Spieldauer immer wieder gute Chancen. Sander Ijtsmas Berechnung zufolge hätte der FCK mit einer Wahrscheinlichkeit von 44 Prozent gewinnen müssen, die Siegchance Ingolstadts hingegen lag bei lediglich 26 Prozent. Und der FCI ist immerhin Tabellenzweiter.

2020-02-01 1437554 xG plot Ingolstadt 2 - 1 Kaiserslautern

Der „Pitchplot“ zeigt: Auch in der simplen Aufzählung der Torschüsse liegt der FCK mit 20:10 vorne. Aussagekräftiger ist aber: Im Strafraum schuf sich das Team von Boris Schommers ein noch viel klares Chancenplus.

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Wo es halt am Ende dann doch haperte, macht die Positions- und Passgrafik deutlich. Fast in allen Medien wurden auf die „über 70 Prozent Ballbesitz“ hingewiesen, die Lautern hatte. Wenn man sich in der Visualisierung allerdings anschaut, wo der Ball zirkulierte, wird klar: Da lief viel zu viel hintenrum. In der Offensive tun sich Riesenlücken auf, vor allem Röser hängt in der Luft.

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Für alle, die sich wundern, weshalb hier Kühlwetters Steckpass auf Röser, der immerhin zur größten Chance des Spiels führte, keinen Niederschlag findet, sei es noch einmal gesagt: Linien zwischen Spielern werden erst ab drei und mehr Pässen eingezeichnet.

Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik des FCI. Die hatten den Ball zwar nicht so oft, ließen ihn aber etwas gleichmäßiger durch ihre Reihen laufen. Das ebenso unverschämte und unverdiente Glück, das der FCI in der Schlusssekunde hatte, erklärt sich dadurch freilich nicht.

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Text: Eric Scherer

Bild: Dean Moutharopoulos/Bongarts/Getty Images

Grafiken: 11tegen11