Der Betze ruft, und Hildmann hält’s mit Rocky: „Es ist erst vorbei, wenn Schluss ist.“

Drei Spiele, drei ordentliche bis gute Leistungen, aber: Die Ergebnisse stimmten nicht. Das ist die bisherige Bilanz des 1. FCK Kaiserslautern im Jahr 2020, und jetzt gilt es, diesem Trend ein Ende zu setzen, bevor die grauslige Floskel von der „Ergebniskrise“ die Runde macht. Am Samstag, 14 Uhr, bietet sich dazu Gelegenheit: Preußen Münster gastiert auf dem Betzenberg. Der Tabellen-18te. Ein „Pflichtsieg“ also? Mit Verlaub: Dergleichen gibt es in dieser Liga nicht. Die Preußen stehen nicht weniger unter Druck als der FCK, und auf ihrer Trainerbank sitzt einer, der die Heimmannschaft bestens kennt: Sascha Hildmann, der bis September 2019 selbst Lautern-Coach war.

Die Preußen trennen mittlerweile sechs Punkte vom Nicht-Abstiegsrang 15, für den FCK sind es mittlerweile neun Zähler auf Rang 3, der wenigstens zwei Relegationsspiele gegen den Zweitliga-16. beschert. Im Grunde dürfen also beide Mannschaften nicht mehr viel liegen lassen, wenn sie wenigstens ein vages Ziel vor Augen behalten wollen.

„WIR DÜRFEN NICHT DEN FEHLER MACHEN UND SAGEN: JETZT, JETZT, JETZT.“

Doch bevor wir jetzt, wie viele andere, mathematischen Unsinn zur Zahl der in dieser Partie zu vergebenden Punkte behaupten, lassen wir lieber Sascha Hildmann zu Wort kommen, der es wiederum mit Rocky Balboa hält: „Es ist erst vorbei, wenn wirklich Schluss ist.“

Und weiter: „Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen und immer sagen: Jetzt, jetzt, jetzt. Dafür ändert sich die Situation von Spieltag zu Spieltag viel schnell.“ Das allerdings gilt für Kellerkinder eher als für die Teams, die vielleicht doch noch mit einem Auge nach oben schielen wollen. Denn für die kann es gar keine andere Vorgabe geben als: Jetzt, jetzt, jetzt. Und zwar punkten, punkten, punkten. Auch wenn es in diesem Spiel, wie in allen anderen, nur drei Zähler sind, die vergeben werden.

THIELE UND RÖSER „NOCH OFFEN“

So sieht es auch FCK-Trainer Boris Schommers, auch wenn er nicht lautstark einen  Sieg fordert, sondern lediglich „ein weiteres gutes Spiel“ seiner Mannschaft. Im übrigen hat der Coach mit Freude registriert hat, dass auch die Fans insbesondere nach den Spielen gegen Ingolstadt und Düsseldorf die Leistung der Mannschaft anerkannten und ihr Mut zusprachen. Was nicht heißen soll, dass die fehlenden Ergebnisse nicht auch die Mannschaft und ihn selbst wurmen: „Ohne Ertrag nach Hause zu gehen, ist schon ärgerlich.“

Nach der Pokalpartie am Dienstag gegen Fortuna Düsseldorf sind Timmy Thiele und Lucas Röser angeschlagen. Der eine erlitt eine leichte Gehirnerschütterung, den anderen plagt das Sprunggelenk. Die Zeichen für einen Einsatz am Samstag stehen schlecht, aber: „Es ist bei beiden noch offen.“

Da es sich um das dritte Spiel innerhalb einer Woche handelt, sieht der Trainer sich auch nicht unbedingt gezwungen, einen der beiden zu bringen. Ohnehin bietet es sich an, auf die ein oder andere frische Kraft zu setzen.

Gegenüber dem 1:2 in Ingolstadt vergangenen Samstag beispielsweise tauschte der Trainer dienstags gegen Düsseldorf auf drei Positionen. Wie viele es diesmal sein werden, verrät er erwartungsgemäß nicht. Daher lässt sich nur spekulieren.

WER GIBT VORNE DEN 3. MANN: SKARLATIDIS? ODER ZUCK? ODER BJARNASON

Verzichtet Schommers auf Röser und Thiele, wäre Simon Skarlatidis wohl der logischste Kandidat für den dritten Platz vorne neben Christian Kühlwetter und Florian Pick. Denkbar wäre auch, Hendrick Zuck in die vordere Reihe im neuen 4-3-3 zu integrieren, und den Platz als halblinker Achter wie schon gegen Düsseldorf weiterhin Hikmet Ciftci überzulassen, dem der Trainer eine ordentliche Leistung im Pokalspiel bescheinigte.

Oder aber: Die Stunde von Andri Runars Bjanarson schlägt, und der Isländer darf erstmals in der Startelf ran. Allerdings ist der 29-Jährige ein klassischer Neuner, und diese Art dieses Mittelstürmer-Spiels würde ein etwas anderes Offensivspiel bedingen als zuletzt mit dem beweglichen Pick in der Mitte.

Nicht zu vergessen: Mohamed Morabet. Wäre die überraschende Variante.

DIE PREUSSEN UNTER HILDMANN: NOCH KEINE ECHTE EINHEIT

Auch Sascha Hildmann hat seit dieser Woche wieder ein paar Personaloptionen mehr im Kader. Die zuletzt angeschlagenen Fridolin Wagner und Niklas Heidemann stehen wieder im Mannschaftstraining, Routinier Ole Kittner hat sich nach langer Fußverletzung wieder an die Startelf herangearbeitet.

Allerdings muss der Preußen-Trainer auf Defensiv-Stammkraft Simon Scherder verzichten, er ist nach fünf Gelben Karten gesperrt. Nico Brandenburger, eine denkbare Alternative für die Sechs und die Innenverteidigerpositionen, hat sich krankgemeldet.

Überhaupt ist das die Krux, die Hildmanns Arbeit in Münster bislang begleitet: Er hat wegen ständiger Ausfälle noch kein Mannschaftsgerüst einspielen können. Immerhin haben die Preußen in den ersten beiden Liga-Spielen 2020 zwei Punkte mehr geholt als der FCK. Einem 2:1-Auftaktsieg beim Tabellenletzten Carl Zeiss Jena folgte eine derbe 1:4-Heimschlappe gegen Tabellenführer Duisburg.

LUCAS CUETO: HILDMANN’S NEXT FLORIAN PICK?

Interessant zu beobachten ist der Werdegang von Flügelflitzer Lucas Cueto. Der 23-Jährige spielte unter Hildmanns Vorgängern – zum Teil verletzungsbedingt – kaum eine Rolle. In den ersten beiden Spielen unter dem neuen Trainer war der Tempodribbler gesetzt, in Jena markierte er beide Treffer.

Hillmann hat anscheinend ein besonderes Händchen für diese Spielertypen . In Lautern glückte unter ihm Florian Pick der Durchbruch – ebenfalls im bereits fortgeschrittenen Talentalter von 23 Jahren.

Text: Eric Scherer

Foto:  Christian-Kaspar Bartke/Bongarts/Getty Images