In Braunschweig kann Schommers personell wieder aus dem Vollen schöpfen  – „Wir wollen jetzt Ertrag sehen“

Der 1. FC Kaiserslautern gastiert am morgigen Samstag, 14 Uhr, bei Eintracht Braunschweig. Die einen sind seit vier Liga-Spielen ohne Sieg, die anderen seit sechs. Dennoch läuft die Eintracht auf Tabellenrang 5 noch voll „bei de Mussigg“ mit, während es für FCK im Moment erst mal darum gehen sollte, den Abstand zu den Abstiegsrängen nicht noch mehr zu verringern. Punkten wollen/müssen also beide. Der NDR hat die Partie zum „Schlüsselspiel“ ausgerufen. Klingt immerhin besser als „Sechs-Punkte-Spiel“.

Bei der Eintracht sitzt seit dem 16. Spieltag Marco Antwerpen auf der Trainerbank, der Mann, der nach der Entlassung von Sascha Hildmann im September 2019 auch in Kaiserslautern gehandelt worden war. In diversen Medien galt er einige Tage sogar als Favorit auf den Trainerposten, ob zurecht, ist im Nachhinein nur noch müßig zu beurteilen. Dass er die Liga kenne und der FCK einen ebensolchen Übungsleiter nun dringend brauche, war das Hauptargument, das für den ehemaligen Coach von Preußen Münster ins Feld geführt wurde.

SCHOMMERS UND ANTWERPEN: DER PUNKTESCHNITT-VERGLEICH

Lautern verpflichtete jedoch Boris Schommers, der noch keine Mannschaft in der Dritten Liga betreut hatte. Der holte mit dem FCK in nunmehr 15 Ligapartien 22 Punkte, Antwerpen kommt nach acht Partien mit Braunschweig auf zehn Punkte. Macht einen Punkteschnitt von 1,46 bei Schommers und 1,25 bei Antwerpen. 

Ob diese Gegenüberstellung nun „gerecht“ ist oder wie viel Sinn sie generell macht, sei mal dahingestellt. Wir wollen lediglich festhalten: Beide Vereine sind ungefähr gleich ambitioniert – und auf 38 Spiele hochgerechnet, würde diese Punktausbeute für keinen der beiden zu einem Aufstiegsplatz reichen. Und: Eine größere „Ligaerfahrung“ kommt in diesem Vergleich ganz offensichtlich nicht zum Tragen.

Andererseits: Trotz sechs siegloser Partien in Folge sind die Plätze an der Sonne für Braunschweig durchaus noch greifbar. In Lautern dagegen kann es eigentlich nur noch darum gehen kann, das große Ziel so lange wie möglich als „theoretisch noch machbar“ im Blick zu behalten, um den Anhang in dieser Saison wenigstens ein bisschen Spannung zu erhalten.

BRAUNSCHWEIG PUNKTETE ZULETZT BEIM TABELLENFÜHRER

Die Braunschweiger verweisen darauf, dass Unentschieden schließlich nicht gleich Untentschieden ist. Von den insgesamt vier Remis ihrer Sieglos-Serie holten sie das letzte immerhin bei Tabellenführer MSV Duisburg. Dabei führten sie bis zur 74. Minute sogar 1:0. 

Allerdings sind sich die Medien einig, dass dieser Punktgewinn in erster Linie der überragenden Leistung von Torhüter Jasmin Fejzic zu verdanken ist. Das Chancenplus, das sich die Duisburger erarbeiteten, hätte locker für einen Sieg reichen müssen.

Fürs Spiel gegen Kaiserslautern muss Marco Antwerpen die teilerfolgreiche Startelf von Duisburg allerdings auf mindestens zwei Positionen umstellen. Kapitän und Antreiber Bernd Nehrig fehlt gelbgesperrt. Das würde auch Mittelfeldakteur Marcel Bär, so er sich nicht ohnehin in Duisburg verletzt hätte. Auch der Einsatz des Ex-Lauterers Benjamin Kessel ist fraglich.

HAINAULT, THIELE UND RÖSER SIND WIEDER IM KADER

Boris Schommers dagegen kann personell „weitgehend aus dem Vollen schöpfen.“ Innenverteidiger André Hainault ist wieder fit, auch zuletzt verletzten Stürmer Timmy Thiele und Lucas Röser haben sich wieder zurückgemeldet, so dass Boris Schommers alle Möglichkeiten hat, eine Offensive zu formieren, die erfolgreicher ist als zuletzt.

In den drei Liga-Spielen 2020 hat der FCK erst zwei Treffer markiert. Jetzt heißt es, „nicht nur ein gutes Spiel machen – wir wollen endlich wieder Ertrag sehen“, so der Trainer. Neuzugang Hikmet Ciftci ist nach seinem Platzverweis gegen Münster für zwei Spiele gesperrt, so dass vermutlich erneut Janik Bachmann, Carlo Sickinger und Hendrick Zuck das Mittelfeldzentrum bilden werden.

CIFTCI FEHLT – WER RÜCKT IN DEN 18ER KADER NACH?

Interessant wird sein, wer für Ciftci in den 18er Kader nachrückt. Gino Fechner, der für diese Position in Frage kommt und es in der Vorrunde auf immerhin 13 Einsätze brachte, stand 2020 noch nicht einmal im Kader. Zum Jahresauftakt gegen die SG Sonnenhof Großaspach erhielt der Youngster Anas Bakhat den Vorzug und durfte sogar für  23 Minuten aufs Feld.

Boris Schommers hat unlängst betont, dass in seinem leistungsmäßig dicht gedrängten Kader direkte Sprünge von der Tribüne in die Startelf durchaus möglich sind. Geschafft hat diesen freilich noch keiner. Bislang war es eher so, dass, wer im Schommerschen Kaderranking nach hinten gerutscht war, auch nicht mehr nach vorne kam – siehe Christoph Hemlein, Toni Jonjic, Janek Sternberg, José-Junior Matuwila.

Ob Gino Fechner, bei dem seit zweieinhalb Jahren Licht und Schatten abwechseln, den Gegenbeweis antreten kann? Sein Vertrag läuft im Sommer ohnehin aus.

Text: Eric Scherer

Foto: Christian Kaspar Bartke/Bongarts/Getty Images