Lautern sucht das erste Erfolgserlebnis 2020 – „Im letzten Drittel nicht nachdenken“

Was braucht der 1. FC Kaiserslautern mehr als Punkte? Etwas positiven Spirit, der den Rücken stärkt fürs anstehende Lokalderby beim SV Waldhof Mannheim Ende der kommenden Woche. Der wiederum lässt sich nicht besser beschwören als mit einem Sieg gegen den FSV Zwickau am morgigen Samstag, 14 Uhr.  Der Tabellen-13. trifft auf den Tabellen-14. Wird Lautern erneut, wie schon in den Heimspielen zuvor, einen tief tehenden Gegner bespielen müssen, der nur auf Konter wartet? FCK-Trainer Boris Schommers glaubt dies nicht. Oder hofft es zumindest.

Der FSV stelle eine „gute, mutig spielende Mannschaft“, die auch mal hoch attackiere, hat der Coach beobachtet. Das käme seinem Team, das nicht nur zuletzt gegen Münster, sondern auch in der zweiten Hälfte in Braunschweig einen zurückgezogen agierenden Gegner mit langen, aber fruchtlosen Passstafetten zu bearbeiten versuchte, entgegen. Was der FCK zu leisten imstande hat, wenn er seinerseits „schnell umschalten“ darf, hat er  dagegen er während seiner Fünf-Siege-Serie Ende 2019 bewiesen. 

Zuletzt haben ihm die Gegner dazu aber kaum Gelegenheiten gelassen. Was jedoch  auch daran lag, dass sie in früh in Führung gehen durften und darum mit gutem Recht aus zurückgezogener Position agierten. In Braunschweig hat der FCK die ersten 20 Minuten regelrecht „verpennt“, bestätigte Schommers. Eine Unart, den auch schon seine  Vorgängern Sascha Hildmann und Michael Frontzeck öfter mal feststellten. „Unter mir ist das jetzt das erste Mal vorgekommen“, will Schommers diesen Aspekt – noch – nicht überbetonen.

„WIR WISSEN, DASS WIR PUNKTEN MÜSSEN“

Genauso wenig sieht er sein Team in einer „Talsohle“, weil in den vier ersten Ligaspielen 2020 noch kein Sieg glückte: „Wir haben zwei Mal unentschieden gespielt und zwei Mal verloren. Wenn wir da jetzt in einer Talsohle sind, wo waren wir dann, als wir zuvor fünf Spiele hintereinander gewonnen hatten? Auf dem Mount Everest?“

Natürlich: „Wir sind alle unzufrieden. Und wir wissen, dass wir punkten müssen.“ Nichts anderes solle gegen den FSV Zwickau nun geschehen. Und dabei solle seine Mannschaft, falls gefordert, nicht nur zeigen, dass sie auch tief stehende Gegner bespielen , sondern auch, dass sie Tore nach ruhenden Bällen erzielen kann – daran hapert es im FCK-Spiel seit einer gefühlten Ewigkeit. „Auch damit beschäftigen wir uns“, versichert Schommers.

Ebenso sei in der ablaufenden Trainingswoche noch an einem weiteren Manko gearbeitet worden, das der Trainer in den jüngsten Partien ausmachte. „Wenn wir auf den Flügel gut durchkamen, waren wir in der Box nicht gut besetzt.“ Da müsse sich insbesondere das Positionsspiel verbessern.

PICK GEHT VORNE WEG – UND SOLL AUCH WIEDER TREFFEN

Kein Formtief sieht Schommers bei Florian Pick, der seinen elf Toren aus dem zweiten Halbjahr 2019 in diesem Jahr noch keinen weiteren folgen ließ. Er gehe mehr denn je mit einer vorbildlichen Einstellung vorne weg, versichert der Trainer, und werde sicher bald wieder treffen. „Wie er es macht, ist egal. Ich habe ihm gesagt, dass er im letzten Drittel nicht so viel nachdenken soll.“

Fehlen wird auf jeden Fall Hikmet Ciftci, der nach seiner roten Karte gegen Münster noch ein zweites Mal zuschauen muss. Fraglich bleibt Philipp Hercher, den weiterhin muskuläre Probleme plagen.

SCHWÄNE MIT BREITER BRUST: ZULETZT SCHLUGEN SIE DIE ZEBRAS

Gegner FSV Zwickau indes kommt mit breiter Brust, obwohl auch er einige Ausfälle kompensieren muss. In den jüngsten fünf Partien leisteten sich die „Schwäne“ nur eine Niederlage, vor Wochenfrist schlugen sie zuhause sogar Tabellenführer MSV Duisburg.

Nicht dabei ist unter anderen „Lautern-Schreck“ Ronny König, der gegen Duisburg seine 5. Gelbe Karte sah. Der nunmehr 36-Jährige, der einst selbst für die Zweite Mannschaft des FCK auflief, hat in den insgesamt neun Duellen, in denen er seinem Ex-Klub begegnete, insgesamt sechs Mal getroffen.

Allerdings nicht beim 5:3-Sieg des FCK im Hinspiel. Da brillierte ein anderer.: Elias Huth, den Lautern nach Zwickau verliehen hat, bereitete nach seiner Einwechslung einen Treffer vor und erzielte einen weiteren selbst.

Überhaupt hatte der 23-Jährige Stürmer beim FSV eine starke Runde gespielt und sein Trefferkonto bereits auch acht Tore hochgeschraubt. Hatte – leider. Zu Beginn des Jahres hat ein Mittelfußbruch die Leihgabe außer Gefecht gesetzt.

SCHOMMERS FREUT SICH ÜBER ENOCHS’ VERTRAGSVERLÄNGERUNG

Zwickau hat zurzeit wirklich Pech mit seinen Offensivkräften, allerdings immer noch einen in petto: Den entscheidenen Treffer gegen Duisburg markierte Gerrit Wegkamp, der wohl auch auf dem Betzenberg auflaufen wird – allein schon mangels Konkurrenz.

FSV-Trainer Joe Enochs ordnete seine Mannschaft zuletzt bevorzugt in einem 3-4-1-2 an, kann aber auch anders. Der Vertrag des 48-Jährigen wurde vor wenigen Tagen bis 2022 verlängert. Was auch sein Lautrer Kollege mit Wohlwollen zur Kenntnis nahm: „Dass ein Vertrag verlängert wird, weil man von seiner Arbeit überzeugt ist, obwohl das Saisonziel noch nicht erreicht ist, ist leider selten geworden“, so Boris Schommers. „Daher Kompliment, FSV.“

Text: Eric Scherer

Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images