Als ob es nicht schon schlecht genug liefe – Corona setzt allem die Krone auf

Was eigentlich soll für den 1. FC Kaiserslautern in dieser Saison noch alles schieflaufen? Als ob die Tabellensituation nicht schon für genug Kummer sorgte, als ob Gerry Ehrmanns Kündigung ausgerechnet jetzt nicht schon genug Unfrieden stiftete, als ob der Kampf um die Lizenz für die kommende Spielzeit nicht schon hart genug wäre – jetzt beschert das Corona-Virus aller Voraussicht nach auch noch „Geisterspiele“ und, damit verbunden, Einnahme-Ausfälle. Aufgrund der nahezu stündlich wechselnden Nachrichtenlange beschränken wir uns hier auf einen kurzen Abriss und widmen uns anschließend den xG-Grafiken zum Meppen-Spiel (3:3). Und bemühen uns, nicht alles nur negativ zu sehen, auch wenn das denen, die den FCK bereits aufgegeben haben, nur noch ein zynisches Lächeln entlockt.

Zu Corona: Nachdem es bereits beschlossene Sache ist, dass in der Ersten und Zweiten Liga in den kommenden Tagen etliche Spiele vor leeren Rängen ausgetragen werden – unter anderem, man glaubt es kaum, das Revierderby Schalke – Dortmund –, ließ der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als Dachorganisation der Dritten Liga am Montagabend verlauten, dass er grundsätzlich Spielverlegungen sogenannten „Geisterspielen“ vorziehe. Es dürfte allerdings kaum möglich sein, für alle in Rede stehenden Partien Nachholtermine zu finden. Wie nun tatsächlich in den einzelnen Fällen verfahren wird, wird in Kürze bekanntgegeben.

Der Empfehlung des Bundesgesundheitsministers, alle Veranstaltungen mit über 1000 Zuschauern bis auf Weiteres abzusagen, sind die Bundesländer Thüringen, Bayern und Nordrhein-Westfalen bereits gefolgt, beziehungsweise, werden aller Voraussicht nach zeitnah folgen. In Magdeburg, wo der FCK am kommenden Samstag um 14 Uhr sein nächstes Ligaspiel ausgetragen, hat die Stadt bereits am Montag eine entsprechende Weisung verkündet.

Jetzt heißt es also: Verlegung oder Geisterspiel? Vom Kalender her wäre Mittwoch, 8. April, denkbar. Aber ob der Corona-Spuk bis dahin vorbei ist?

AUCH LAUTERN GEGEN 1860 STEHT AUF DER KIPPE

In Rheinland-Pfalz hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gestern lediglich „empfohlen“, bis Ende April Veranstaltungen mit über 1000 Zuschauern abzusagen. Grundsätzlich bleibt es eine „Ermessensentscheidung“, die die  Veranstalter „in Absprache mit den lokalen Behörden“ zu treffen hätten, wie es in einer Erklärung von Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) vom Montag heißt. 

Dass das nächste Heimspiel des FCK gegen 1860 München, das am kommenden Dienstag, 19 Uhr, angesetzt ist, zum geplanten Termin und mit Publikum ausgetragen wird, ist somit noch nicht hundertprozentig auszuschließen, doch ist es Stand jetzt sehr wahrscheinlich, dass die Partie zum „Geisterspiel“ oder verlegt wird. Der Verein hat den Kartenvorverkauf für dieses und auch die nächsten Spiele bereits eingestellt, bis sich neue Sachverhalte ergeben.

SCHÜRT CORONA DIE „LIZENZ-ANGST“? IMMER MIT DER RUHE

Dass die durch „Geisterspiele“ entstehenden Einnahmeausfälle besonders die Drittliga-Klubs treffen, die überdurchschnittlich hohe Zuschauerzahlen erzielen, liegt auf der Hand. Dass der FCK gegenwärtig noch ein Stück härter um eine Lizenz für die kommende Spielzeit ringt als in dieser Beziehung vergleichbare Klubs wie 1860 München oder Eintracht Braunschweig, ist ebenso bekannt. Insofern wundert es nicht, dass die einschlägigen Boulevardmedien direkt die Gelegenheit nutzen, Klicks und Auflage mit knalligen Untergangsszenarien zu erzielen.

Dem sei entgegengehalten: Der DFB dürfte kaum ein Interesse daran haben, die Zugpferde der höchsten Fußballliga, für die er Verantwortung trägt, im Lizenzierungsverfahren über die Wupper gehen zu lassen – schließlich ist hier „höhere Gewalt“ im Spiel, keine Misswirtschaft. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die den Spielbetrieb der Ersten und Zweiten Liga organisiert, prüft bereits „die Möglichkeit von Anpassungen des Lizenzierungsverfahrens für die kommende Saison 2020/21, um finanzielle Nachteile infolge von Auswirkungen des Corona-Virus entsprechend zu berücksichtigen“, wie aus einer Erklärung vom Montagabend hervorgeht. Entsprechendes ist auch vom DFB zu erwarten.

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DIE XG-GRAFIKEN: LAUTERN VERLIERT ERSTMALS SEIT DEM 14. SPIELTAG

Wieder nur ein Unentschieden, diesmal gegen Meppen. 3:3 hieß es am Ende, nachdem der FCK bis zur 85. Minute 3:1 geführt hatte. Eine gefühlte Niederlage also.

Damit nicht genug: Der „expected Goals (xG)“-Timeline zufolge hätte Meppen sogar gewinnen müssen. In der Aufrechnung der qualitativ bewerteten Torgelegenheiten liegen die Emsländer nach 90 Minuten vorne.

2020-03-07 1437609 xG plot Kaiserslautern 3 - 3 SV Meppen

Übrigens: Es ist das erste Spiel seit dem 14. Spieltag, dass der FCK der xG-Timeline zufolge „verliert“. Alle anderen hätte er gewinnen oder wenigstens Remis spielen müssen. Tatsächlich hat er seither auch nur noch zwei Mal verloren, allerdings auch  nur noch fünf Mal gewonnen.

Bei dem besagten Spiel handelt es sich übrigens um die 2:3-Heimniederlage gegen Kickers Würzburg. Sie markierte auch das Ende der Experimentierphase von Trainer Boris Schommers, der sein Amt am 9. Spieltag angetreten hatte. Danach folgte die Versetzung der Profis Christoph Hemlein, Janek Sternberg und Antonio Jonjic zur U21,  und ab dem folgenden 3:0-Sieg beim KFC Ürdingen lief eine Startelf auf, die fortan nur noch punktuell geändert wurden. Fünf Siege folgten, danach jedoch keiner mehr.

Nun also erneut eine „xG“-Niederlage, immerhin aber 3:3 gespielt. Markiert sie nun eine weitere Zäsur? Muss ja nicht zwingend zum (noch) Schlechteren sein, vielleicht hat diese FCK-Elf jetzt gelernt, aus weniger mehr zu machen… Magdeburg könnte die Antwort bringen, so denn überhaupt angepfiffen wird.

Der Pitchplot zeigt: Auch in der plumpen Aufrechnung der Torschüsse gewinnt Meppen 15:9, das hätte man beim subjektiven Betrachten nicht so deutlich erwartet. Und: Mit einem Wert von 0.98 entwickelte der FCK nach ruhenden Bällen („Set Pieces“) endlich mal beinahe so viel Torgefahr wie aus dem Spiel heraus („Open Play“). Kühlwetters Elfmetertor und Kraus’ Kopfball nach Zuck-Ecke sei Dank.2020-03-07 Pitch plot Kaiserslautern 3 - 3 SV Meppen.png

Die Positions- und Passgrafik: Wo bitteschön hängt Zuck denn da ab? Auf dem Papier war er das Gegenstück zu Pick auf den Flügeln. Dort war er eigentlich auch permanent zu sehen, den Ball aber nahm er, so er denn angespielt wurde, vorzugsweise in tiefer Position an, wie der Spot belegt.

2020-03-07 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - SV Meppen.png

Ungewohnt tief standen auch die Außenverteidiger. Dass Schad sich nach auskurierter Grippe über die 90 Minuten nur quälte, ist bekannt. Zum Marschieren reichte da die Kraft nicht. Und links wird hoffentlich Hercher bald wieder auflaufen. Erfreulich beweglich unterwegs waren die drei Offensivspieler Pick, Starke und Kühlwetter.

Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik des SV Meppen. Für einen Gast auf dem Betzenberg erstaunlich viel Ballbesitz, ein wenig linkslastig insgesamt. Interessant: Die vorgezogene Position von Guder. So ein Leben rechts ganz vorne muss ganz schön einsam sein.

2020-03-07 SV Meppen Passing plot Kaiserslautern - SV Meppen.png

Text: Eric Scherer

Foto: Thomas Eisenhuth/Getty Images

Grafiken: 11tegen11