„Wir stehen zusammen“ – Im Gespräch mit FCK-Vorstandsmitglied Gero Scira

„Wir wollen zeigen, dass wir als Verein auch in schweren Zeiten für unsere Fans und Mitglieder da sind“, formuliert es Gero Scira, Vorstandsmitglied des 1. FC Kaiserslautern e.V. Seit einer Woche bietet der FCK Menschen in der Region, die während der Coronakrise ihre Wohnung nicht verlassen können, eine Einkaufshilfe an.  Wie wird sie angenommen? Ich habe mal nachgefragt. Initiator Gero Scira ist auch Mitglied des vor kurzem neu formierten Vereinsvorstands und treibende Kraft der „Zukunftsinitiative FCK“ ist, die sich vergangene Woche erstmals im Rahmen einer Videokonferenz mit den ihr angehörenden Basis- und „Herz der Pfalz“-Partnern austauschte.

Gero, Euer Hilfsangebot besteht jetzt eine Woche. Wie läuft’s?

Zu unserer eigenen Überraschung sind wir gar nicht mal überrollt worden. Entweder haben wir unser Angebot nicht gut genug beworben – oder aber, die bereits existierenden Nachbarschaftshilfen funktionieren landauf, landab besser, als viele es von uns Deutschen erwartet haben, was mich natürlich auch sehr freut. Für unsere Aktion heißt das im Klartext: Wir haben noch Kapazitäten frei. Es braucht sich niemand zu scheuen, unsere Einkaufshilfe in Anspruch zu nehmen.

Und wie funktioniert das genau?

Wir nehmen täglich von 10 bis 12.30 Uhr unter der Telefonnummer 0631 / 31881109 Lebensmittelbestellungen entgegen, und das bis zu einem Warenwert von 50 Euro. Diese liefern wir von Montag bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr aus. Die Warenübergabe geht kontaktfrei vonstatten, das heißt, wir bringen die Lebensmittel an die Haustür, wo der Kunde den zu zahlenden Betrag in einem Umschlag hinterlegt hat. Auch alle anderen einzuhaltenden Hygienevorschriften befolgen unsere Fahrer exakt. Sie haben sich vor der Aktion bei ihren Ärzten darüber eingehend informiert.

Um es nochmal klar zu sagen: Das Angebot gilt nicht nur für FCK-Mitglieder?

Nein. Jeder kann sich melden. Insbesondere Angehörige sogenannter Risikogruppen, also Menschen mit Vorerkrankungen, die ihre Wohnung ja unter keinen Umständen verlasen sollen, oder ältere Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Natürlich wollen wir mit unserer Aktion in erster Linie unseren Mitgliedern und Fans zeigen, dass wir auch in schweren Zeiten für sie da sind. Auch mit der „Betze hilft“-Aktion von FCK-Aktivist Frieder Mathis sowie mit dem ebenfalls unterstützenden  Internetportal „Der Betze brennt“ sind wir bestens vernetzt, auch von denen wäre sofort jemand zur Stelle, wenn wir überlastet wären. Du siehst, wir leben das, was schon immer die DNA dieses Vereins geprägt hat: Wir stehen zusammen.

Ganz konkret: Wen setzt Ihr als Fahrer ein?

Den Job haben Daniel Heinen, der Fahrer unseres Nachwuchsleistungszentrums, sowie unser Scout Marius Frenzer übernommen. Bei Bedarf kommt auch unser Pressesprecher Stefan Roßkopf zum Einsatz. Aber auch der Vereinsvorstand setzt sich ans Steuer, wenn Not am Mann ist. Als Fahrzeuge benutzen wir die des NLZ, die zurzeit ja leider stillstehen.

Du bist auch einer der Frontmänner der „Zukunftsinitiative FCK.“ In der abgelaufenen Woche habt Ihr Euch zum ersten Mal per Videokonferenz mit Euren Basis- und „Herz der Pfalz“-Partnern ausgetauscht. Welche Grundstimmung hast du da wahrgenommen?

Auch da spüren wir eine große Solidarität. Alle versichern, dass sie als echte FCK-Fans weiterhin im Boot bleiben wollen. Natürlich ist es für jeden Unternehmer gegenwärtig schwer zu sagen, was die weitere Zukunft bringen wird, ob er nicht irgendwann vor der Entscheidung steht: Soll ich mein FCK-Sponsorenpaket weiterfinanzieren oder Mitarbeiter entlassen? Wir wollten die Videokonferenz nutzen, um uns mit unseren aktuellen Partnern über ihre gegenwärtigen Sorgen und Nöte auszutauschen. Neue zu werben, ist gegenwärtig kaum möglich, verständlicher Weise.

Dass die restlichen Heimspiele dieser Saison vor Publikum ausgetragen werden, ist mittlerweile so gut wie auszuschließen. Entweder wird es ab Mai zu „Geisterspielen“ kommen, oder aber, die Saison wird abgebrochen. So oder so: Den Sponsoren werden von FCK-Seite nicht die vollen Leistungen zuteil werden, die ihnen vertraglich zustehen. Wird das Forderungen nach Rückzahlungen nach sich ziehen? Wie sehen das die, mit denen ihr im Austausch steht?

Dazu kann ich nur sagen: Die Bereitschaft, dem FCK entgegenzukommen, ist grundsätzlich da – und sehr groß. Wie wir das alles jedoch im Einzelnen regeln können, kann gegenwärtig noch niemand sagen, auch unser Ansprechpartner Lagardère nicht. Die Situation ist halt für uns alle vollkommen neu – und war so auch nicht vorherzusehen.

War auch die „Planinsolvenz“ ein Thema, die vor allem der „kicker“ und der SWR  diese Tage ins Gespräch brachten – vor dem Hintergrund der DFB-Entscheidung, dass wegen der Corona-Krise in dieser Saison Insolvenzen keine sportlichen Konsequenzen für Drittligisten haben sollen?

Ach, über ungelegte Eier zu reden, hat noch nie etwas gebracht – und ist bei diesem Thema sogar gefährlich. Angesichts der neuen Voraussetzungen, die der DFB jetzt geschaffen hat, ist das natürlich eine Option, die wir prüfen müssen. Die Kommunikation zu diesem Thema sollte aber allein unserem Aufsichtsratssprecher Markus Merk und unserem Geschäftsführer Sören Oliver Voigt vorbehalten bleiben.

Danke fürs Gespräch, Gero – und bleib gesund.